Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

210

verproviantirt, die Beſatzung war freudigen Muthes und ihr ſo treu ergeben, daß nach dem Aufruf Ca⸗ raffa's kaum fünfzig Mann Munkacs verlaſſen und ſich den Königlichen übergeben hatten. Was kümmerte ſie alſo die Gefahr, ſie, die da kämpfte für ihre Kin⸗ der, für die Liebe, für die Ehre, für das Vaterland!

Niemals hatte man Helena heiterer, ſtrahlendern Angeſichtes, ſchöner geſehen, als in dieſen Monaten der Belagerung. Für ſie gab es keine Gefahr! Wo die Kugeln dröhnten und pfiffen, da ſtand ſie hoch aufgerichtet, friedvoll und lächelnd, wie ein Engel des Friedens mitten unter den Kämpfenden, ſie anfeuernd durch flammende Beredſamkeit zu muthvollem Wi⸗ derſtand. Und wenn der Sturm glücklich zurückge⸗ ſchlagen, wenn die Kanonen der Belagerer ſchwiegen, und die Belagerten ihre Verwundeten, ihre Todten aufſuchten, da erſchien Helena unter ihnen mit blei⸗ chem Antlitz, mit Thränen in den Augen, da trat ſie wie eine Schweſter der Barmherzigkeit fromm und ſtill an das Schmerzenslager der Verwundeten, um ihre Wunden zu verbinden, um ſie zu tröſten mit freundlichem Zuſpruch, da kniete ſie nieder an der Todtenbahre der Geſtorbenen, um für ihre Heldenſee⸗ len zu beten, und den Heimgegangenen zu ſchwören, daß ſie treu und freudig Sorge tragen werde für ihre