Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
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Der alte Sigismund vernahm dieſe Wahl mit Entſetzen. Er ſehnte ſich nach Ruhe, nach Frieden, er wußte, daß der goldeneReif, den man ihm darbot, mit Dornen gefüttert war, die ſich mit blutigen Schmer⸗ zen in ſeine Stirn einbohren würden. Er hatte lange genug gekämpft für Ungarn und Siebenbürgen, lange genug, um zu der traurigen Ueberzeugung gelangen zu können, daß der geprieſene Wiener Frieden nicht das Ende des Kampfes, ſondern nur einen Moment des Waffenſtillſtandes bezeichne, und er fühlte ſich zu ſchwach, zu muthlos und entnüchtert, um dieſe blutige Fehde gegen das Haus Oeſterreich auf's Neue wieder aufnehmen zu mögen.

Als man Sigismund Räköczy daher die Nachricht von der auf ihn gefallenen Wahl brachte, begab er ſich zu den verſammelten, ihn mit lauten Jubelgrüßen empfangenden Ständen; aber nicht um ihnen freu⸗ dig zu danken, ſondern um ſie mit Thränen zu be⸗ ſchwören, die Wahl rückgängig zu machen, ihm zu ge⸗ ſtatten derſelben zu entſagen.

Aber ſein Bitten, ſein Flehen, ſeine Thränen waren umſonſt, und Sigismund Räköczy mußte ſein Geſchick annehmen, er mußte ſich darein ergeben, die Fürſtenkrone zu tragen. Doch ſchon im nächſten Jahre entſagte er, gebengt von Krankheit, und vielfach be⸗