Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 4. Band (1859)
Entstehung
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aber ich weiß ſehr wohl, daß ich noch nicht ein Jahr regiert habe, und daß ich auch in dieſem Jahr mehr von den Umſtänden und der Charte regiert ward, als aus meinem eigenen Willen heraus regierte. Gott weiß, es ſind ſehr viele Dornen in dieſer Krone von Frankreich, und wahrlich, meine lieben Freunde, die Feinde verwunden meine Stirn eben ſo ſehr, wie die Bonapartiſten. Sie wollen mir jetzt eine neue Schmach bereiten, die Brücke von Jena vernichten!

Aber Ew. Majeſtät werden das nicht zugeben, rief die Gräfin, Sie werden es dieſen Barbaren verbieten, ein Denkmal des Ruhms von Frankreich zu zerſtören.

Wenn ich wirklich König wäre, und verbieten könnte, ſeufzte Ludwig, dann würde ich die Barbaren verjagen, und Frankreichs Denk⸗ mäler hätten nichts von ihrer Brutalität zu fürchten.

Sire, ſagte der Oberhofmarſchall, welcher leiſe in das Kabinet eingetreten war, der Fürſt Blücher iſt eben in die Tuilerien gekom⸗ men, und bittet Ew. Majeſtät demüthig um die Gnade einer Audienz.

Höflingsphraſen, ſagte Ludwig achſelzuckend, Sie wiſſen wohl, daß ich den Fürſten habe bitten laſſen, zu mir zu kommen, laſſen Sie ihn eintreten. Und Sie, meine Liebe, treten Sie hinter den Schirm dort, und ſeien Sie eine unſichtbare Zeugin meiner Unterredung mit dem Fürſten Blücher.

Die Thür öffnete ſich, und unter Vortritt des Oberhofmarſchalls trat Fürſt Blücher in ſeiner einfachen Huſaren-Uniform, ohne Orden und Stern auf der Bruſt, zu dem König ein.

Mit einer leichten, wenig ceremoniellen Verbeugung näherte er ſich dem König, der ihm, in ſeinem Lehnſtuhl ſitzend, einen gnädigen Gruß zunickte.

Sire, ſagte Blücher, der Anrede des Königs zuvorkommend, Ew. Majeſtät haben mich hieher befohlen, und ich bin gekommen, aber ich benachrichtige Eure Majeſtät, daß ich durchaus kein Wort franzöſiſch verſtehe.

Mein Herr, ſagte der König, meine Mutter war eine Deutſche, ich darf daher Ihre Sprache faſt meine Mutterſprache nennen, und wir wollen uns alſo in derſelben unterhalten. Herr Feldmarſchall,