Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 4. Band (1859)
Entstehung
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nicht nöthig, dem König den Willen zu thun, und zu ihm zu kommen, um dieGnade einer Audienz, wie ſie das nennen, zu genießen. Aber ich will's thun, um der Sache endlich ein für alle Mal ein Ende zu machen. Ich will zu dem König hingehen, und ich will ihm ſagen, daß er ſich keine Mühe weiter geben ſoll und daß die Brücke voch ge⸗ ſprengt wird.

Ludwig der Achtzehnte ſaß auf ſeinem breiten hochlehnigen Lehn⸗ ſtuhl, deſſen ungeheuere Weite ganz von der rieſigen Körpermaſſe des alten, ſiechen, gichtlahmen Königs ausgefüllt war. Er blickte mit dü⸗ ſterem traurigen Auge aus dem Fenſter auf die Kanonen hin, die ihre weiten Mündungen gerade ſeinem Fenſter zugewandt hatten.

Ach, ſeufzte er leiſe, dieſe preußiſchen Kanonenſchlünde ſagen mir nicht wie meine Hofleute Schmeicheleien, ſondern ſie ſprechen zu mir mit ſehr herben Wahrheiten. Nicht die Liebe und der Enthuſiasmus meiner Unterthanen hat genügt mich auf meinen Thron zurückzuführen, ſondern es bedurfte dazu noch der Hülfe meiner ſogenannten Freunde, welche ſich aber dabei ſehr als meine Feinde darſtellen, und deren in⸗ ſolente Kanonenſchlünde mir ſagen, daß ich kein freier, ſelbſtſtändiger König bin, ſondern ein Gefangener meiner Befreier!

Sire, ſagte die ſchöne Gräfin Du Cayla, welche neben dem König auf dem kleinen Tabouret ſaß, und ihre großen brennenden Augen mit einem zärtlichen Ausdruck auf den König heftete, Sire, dieſe Herren Preußen werden ſich ohne Zweifel beeilen, ihre Kanonen hier fortzubringen, da Ew. Majeſtät ſeit geſtern wieder in den Tuilerieen reſidiren. Wahrſcheinlich hat Ew. Majeſtät ſchnelle Ankunft ſie über⸗ raſcht, und ſie haben nur aus Verſehen die Kanonen hier zurückgelaſſen, welche ſie aufgeſtellt, ſo lange Ew. Majeſtät noch nicht da waren, und man von den Bonapartiſten noch Ruheſtörungen und Revolten erwar⸗ ten konnte.

Es iſt indeſſen ſehr traurig, daß es unter meinen Unterthanen noch immer Bonapartiſten giebt, ſeufzte Ludwig. Leute, die ihren an⸗ geſtammten, rechtmäßigen König anerkennen wollen, und ihm einen Uſurpator vorziehen. Ach meine Liebe, ich unterzeichne wohl meine Decrete als in dem einundzwanzigſten Jahre meiner Regierung,