Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 4. Band (1859)
Entstehung
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Dann ließ Madame Lätitia ihre Hände von Napoleons Schultern niederſinken, als gäbe ſie ihn frei an die Zukunft, an das Schickſal.

Langſam hob ſie dann die Rechte gen Himmel. Dort oben, mein Sohn, ſagte ſie. Jetzt geht, laßt mich allein!

Napoleon ſchritt an ihr vorüber und ging nach der Thür hin, Hortenſe folgte ihm.

Lätitia, die beiden Hände an ihre wogende Bruſt gedrückt, die Augen weit geöffnet, das Haupt vornüber geneigt, ſtarrte ihrem Sohn nach.

Jetzt öffnete er die Thür, jetzt trat er hinaus, Hortenſe hinter ihm,— Lätitia's Mund öffnete ſich wie zu einem Schrei, aber er er⸗ ſtarrte auf ihren Lippen,— ſie ſah nach ihrem Sohn, ſie ſah ihn vorwärts ſchreiten,— nun ward die Thür hinter ihm geſchloſſen,— nun ſah ſie ihn nicht mehr, und ohne Laut, ohne Klage, wie eine vom Sturmwind zerſchmetterte Statue des Schmerzes ſank Lätitia zur Erde nieder.*)

*) Madame Lätitia lebte ſeit dieſer Zeit in Rom, wo ſie mit ihrem Bruder, dem Cardinal Feſch, ein ſtilles zurückgezogenes Leben führte. Aber dieſe Zurück⸗ gezogenheit ſicherte ſie nicht vor dem Argwohn und kem Mißtrauen der Regie⸗ rungen, denen Napoleon auf immer ein Schreckniß war, obwohl er im fernſten Exil lebte. Als im Jahr 1820 das ſüdliche Europa von den Verſchwörungen der Carbonari beunruhigt ward, und ſich auch in Frankreich Anzeichen einer bonapartiſtiſchen ſchwörung kund gaben, ließ der König von Frankreich dem Papſt Gregor mittheilen, er habe aus genauen Quellen erfahren, daß Madame Lätitia an der Spite einer bonapartiſtiſchen Verſchwörung ſtehe; ſie habe, wie man ihm, dem König, gemeldet, ihre Agenten in Corſika, um dort eine Erhe- bung zu Gunſten Napoleons anzufachen; man fügte hinzu, daß dies Complott ſich bis in das Innere Frankreichs verzweige, und daß Madame Lätitia auch dort Partiſanen für ihren Sohn anwerbe, daß die Regierung des Königs von der Wahrheit dieſer Angaben überzeugt ſei, und ſogar genan wiſſe, wie viele Millionen Madame Lätitia zu dieſen Zwecken verwendet. Der Papſt durfte dieſe von dem franzöſiſchen Geſandten, Grafen Blacas, angebrachte Beſchwerde nicht unbeachtet laſſen, und ſandte daher ſeinen Staatsſecretair zu Madame Lätitia, um ihr die Klagen Frankreichs vorzutragen und Rechenſchaft von ihr zu fordern. Madame Lätitia hörte alle Vorhaltungen des Cardinals und Staatsſecretairs mit gelaſſener Ruhe an; dann aber erhob ſie ſich und mit