Die Kanonen donnerten, die Glocken von allen Thürmen jauchzten mit ihren ehernen Stimmen, aber das Volk— das Volk blieb ſtumm. Es ſchaute ſtaunend empor zu dem Thron, es fragte verwundert unter einander: iſt das der Kaiſer? Iſt dieſer Mann in dem Theaterputz, dieſer Mann in dem mit goldenen Bienen geſtickten Mantel von Purpurſammet, iſt das Napoleon? Das der Feldherr, der uns er⸗ retten ſoll von den Feinden, die von allen Seiten gegen Frankreich heranziehen? Was ſoll's mit dieſem Kaiſermantel und der goldenen Lorbeerkrone? Warum zeigt er ſich uns nicht in ſeiner Uniform, mit dem Degen in der Hand, dem kleinen dreieckigen Hut über der Stirn?
Und weil man alſo fragte, und ſich verwunderte, und weil man ſtaunte und neugierig aufſchaute zu der geputzten goldflimmernden Ge⸗ ſtalt, blieb jeder ſtumm vor Verwunderung, Staunen und Neugierde. Niemand dachte daran, den Kaiſer zu begrüßen, und doch erkannte man ihn jetzt, doch ſah man ſein bleiches Antlitz von eherner Majeſtät, und ſeine großen, unergründlichen Augen, die nichts zu ſchauen und den Blick nach Innen gewandt zu haben ſchienen auf die geheimnißvollen Gedanken ſeiner eigenen Bruſt.
Stille, ungeheure beängſtigende Stille ringsum auf dem weiten Platz. Der Kaiſer in ſeinem glänzenden Mantel ſteht vor ſeinem Thron, die erhobene Rechte gelehnt an die goldene, mit dem Kaiſer⸗ adler gekrönte Standarte. Ihm zur Seite ſeine drei Brüder Jerome, Joſeph und Lucian, alle drei in Tuniken und Mänteln von weißem Sammet, mit goldenen Bienen geſtickt.
Jetzt erhebt der Erzbiſchof vor dem Hochaltar da drüben ſeine Stimme, jetzt ſchmettern die Poſaunen und Pauken und das Hochamt beginnt. Nun, bei der Erhebung der heiligen Monſtranz, kommt zuerſt Leben und Bewegung in die athemloſe, ſtaunende Menge, und alle dieſe Bürger, Soldaten, Officiere, Magiſtratsperſonen, Generäle,
Marſchälle und Fürſten, Alles beugt ſeine Kniee nieder in den Staub.
und erfleht in leiſem, inbrünſtigem Gebet den Segen des Himmels für Frankreich. Selbſt der Kaiſer, ſonſt ſo gleichgültig und unbeweg⸗ lich bei ſolchen Ceremonien, ſelbſt Er ſcheint bewegt, und tiefer wie


