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und zog ſich, ſchweigend und ſtill dahin ſchleichend, in eine entfernte Fenſterniſche zurück.
Der Herzog iſt heute nicht ganz wohl, glaube ich, ſagte Frau von Mitrowska unbefangen, er iſt ſonſt immer außerordentlich heiter und vergnügt, und ſcherzt und lacht den ganzen Tag.
Ja, Madame, das war ſonſt ſeine liebliche Art, ſagte Baron Meneval ſeufzend. Ich muß mich jetzt beurlauben. Geſtatten Sie mir, daß ich zu dem Prinzen hingehe, und ihm einen Kuß zum letzten Lebe⸗ wohl gebe?
Oh, Herr Baron, welche Frage, rief Frau von Mitrowska lächelnd, nehmen Sie Ihren Abſchied ganz wie es Ihrem Herzen und dem Be⸗ lieben des Prinzen angemeſſen iſt.
Der Baron eilte nach der Fenſterniſche hin, in welcher der Prinz ſtand, der aus der Ferne mit mißtrauiſchen Blicken zu den Sprechenden hinüber geſchaut hatte.
Sire, ſagte Meneval, und ſeine Augen füllten ſich mit Thränen, wie er auf das kleine, ernſte, bleiche Antlitz des Knaben hinblickte, Sire, ich reiſe wirklich zu Ihrem Vater, zu Ihrem Papa Kaiſer. Wollen Sie mir gar keine Grüße für ihn mitgeben?
Der Prinz zog mit beiden Händen den Baron zu ſich heran, tief in die Fenſterniſche hinein, und mit einem rührenden, flehenden Aus⸗ druck zu ihm aufſchauend, flüſterte er leiſe: Lieber Herr von Meneval, ſagen Sie ihm, daß ich ihn immer noch ſehr lieb habe.*)
Sire, ſagte der Baron mit vor Rührung erſtickter Stimme, man hat mir erlaubt, Sie zum Abſchied umarmen zu dürfen. Wollen Sie es mir geſtatten?
Der kleine Knabe breitete ſeine beiden Arme aus, und flog mit einem ſüßen, ſchmerzlichen Lächeln an die Bruſt des Barons. Mit einer glühenden Innigkeit küßte er ihm die Augen, die Lippen, die Stirn, und bei jedem Kuß flüſterte er: Grüßen Sie meinen Papa, ſagen Sie ihm, daß ich ihn ſo lieb, ach, ſo lieb habe, und daß ich ihn nie vergeſſen werde.
*) Des Prinzen eigene Worte. Siehe: Ménéval, Mémoires. IV. 230.


