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dann dem Zimmer des Prinzen zuwandte, flüſterte er leiſe: Armer Kaiſer! Seine Gemahlin betrachtet ſich ſchon als ſeine Wittwe, die ihm einen Nachfolger geben darf!
Der Prinz ſaß, als Herr von Meneval zu ihm eintrat, vor ſeinem Spieltiſch. Aber nicht wie ſonſt ordnete er mit Jubel und lachendem Frohſinn ſeine Soldaten, nicht wie ſonſt glänzte ſein Auge, glühten ſeine Wangen wie holde Maienroſen. Still und ſchweigend ſaß er da, das Köpfchen vornüber geneigt, blickte er gleichgültig auf ſeine zerſtreut umherliegenden Regimenter hin, und nur wie in Zerſtreuung wühlten ſeine kleinen weißen Hände zwiſchen dem Spielzeug umher.
Hoheit, ſagte Frau von Mitrowska, welche mit der neuen Kammer⸗ frau neben dem Spieltiſch ſtand, Hoheit, da iſt der Baron von Mene⸗ val, welcher Ihnen Lebewohl ſagen möchte. Wollen Sie ihn nicht willkommen heißen?
Das Kind hob ſeine Augen langſam empor, und blickte den Baron an, ohne ihn zu grüßen, ohne ihn, wie es ſchien, zu kennen. Sonſt war er ihm ſtets jauchzend entgegen gehüpft, und hatte ihn mit lieb⸗ licher Geſchwätzigkeit willkommen geheißen, heute ſtand er nur, als die Gouvernante ihn dazu aufforderte, von ſeinem Stuhl auf, und dem Baron zwei Schritte entgegentretend, reichte er ihm zögernd, und einen mißtrauiſchen ängſtlichen Blick auf Frau von Mitrowska werfend, die Hand dar.
Sie wollen abreiſen, mein Herr? fragte er mit leiſer bebender Stimme.
Ja, Sire, ich will abreiſen, ſagte der Baron, die kleine Hand an ſeine Lippen drückend, und ſie dann zwiſchen ſeinen beiden Händen feſt⸗ haltend, ja, Sire, ich will abreiſen, und ich bitte Sie, mir zu ſagen, ob Sie nichts zu beſtellen haben? Ich kehre jetzt nach Paris zu Ihrem Herrn Vater, dem Kaiſer Napoleon zurück. Sire, haben Sie mir gar keine Aufträge für Ihren Herrn Vater zu geben?
Der kleine Knabe hob ſeine Augen mit einem langen traurigen Blick zu ihm empor, aber er ſagte kein Wort; langſam und unmerklich das Haupt ſchüttelnd, machte er ſeine Hand aus der des Barons los,


