Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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Aber dieſes letzte Lebewohl der einſtigen Kaiſerin war eben ſo kalt und ruhig, wie das, welches ſie von der Gräfin Montesquiou genommen. Sie dankte dem Baron für ſeine treuen Dienſte, ſie gab ihm ein koſt⸗ bares Geſchenk als Andenken, aber ſie that das ohne ein Zeichen innerer Aufregung und Theilnahme. Sie fragte gar nicht, wohin der Baron gehen wolle, ſie erwähnte gar nicht des Kaiſers Napoleon, und als Meneval es dennoch wagte, ihr zu erzählen, daß er nach Paris gegangen, als er von dem Kaiſer ſprach, und von dem Schmerz, den er empfinden würde, nicht einmal einen Brief von ſeiner Gemahlin zu erhalten, ſchien Marie Louiſe kaum auf ſeine Worte zu hören, ſondern lauſchte mit halb abgewandtem Haupt auf die Töne der Muſik, die aus dem anſtoßenden Gemach zu ihr herrauſchten. Und dieſe Töne ſchienen einen wunderbaren Zauber auf ſie zu üben, denn Marie Louiſe ſchrak in ſich zuſammen bei dem Beginn der Muſik, eine tiefe Röthe überflog ihre Wangen, und ihre Augen leuchteten in feurigem, zärt⸗ lichem Glanz.

Oh, Majeſtät, ſagte Meneval jetzt leiſe und haſtig, oh, Majeſtät, ich beſchwöre Sie, laſſen Sie mich nicht ganz ohne Botſchaft zu dem Kaiſer zurückkehren. Geben Sie mir zum Mindeſten einen Gruß, ein Wort der Hoffnung für ihn mit. Beauftragen Sie mich

Herr von Meneval, unterbrach ihn Marie Louiſe, es thut mir leid, Ihnen jetzt Lebewohl ſagen zu müſſen. Aber ich habe dem Grafen Neipperg verſprochen, mir von ihm eine neue Symphonie Beethovens vorſpielen zu laſſen, und Sie hören wohl, der Graf erwartet mich ſchon am Clavier, das er ſo meiſterhaft ſchön zu ſpielen verſteht. Leben Sie alſo wohl, Herr von Meneval. Dort in jenem Zimmer finden. Sie meinen Sohn, den Herzog Franz!

Sie deutete mit der Hand nach der geöffneten Thür des Nebem⸗ zimmers, nickte leicht mit dem Kopf und wandte ſich dann ab, um mit raſchen Schritten nach der verſchloſſenen Thür jenſeits des Salons hin⸗ zugehen.

Der Baron ſchaute ihr mit traurigen Blicken nach, bis die ſchöne jugendliche Geſtalt hinter der Thür des Muſikzimme rs verſchwunden war; ein ſchwerer Seufzer entrang ſich ſeiner Bruſt, und als er ſich