Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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Franz! Franz! rief aus dem Nebengemache die Stimme der Kaiſerin.

Der Knabe zuckte zuſammen, das Lächeln erblaßte auf ſeinen Lippen. Sie hören wohl, Herr von Meneval, flüſterte er traurig, ich heiße nun doch Franz! Leben Sie wohl!

Er grüßte ihn mit einem trüben Blick, und trat einige Schritte

aus der Fenſterniſche vorwärts. Plötzlich wandte er ſich um, kehrte haſtig zu dem Baron zurück, und ihn mit einem flehenden Blick an⸗ ſehend, flüſterte er: ſagen Sie es meinem Papa nicht, daß ſie mich hier Franz nennen. Es würde ihm weh thun!

Franz! rief die Stimme ſeiner Mutter abermals.

Ich komme ſchon, ſagte das Kind traurig, indem es haſtig nach dem andern Zimmer eilte.

Herr von Meneval blickte ihm nach, bis die kleine zierliche Geſtalt verſchwunden war, dann ſchlug er ſeine Hände vor ſein Angeſicht und weinte laut.

An demſelben Tage, und um dieſelbe Stunde fand in einem an⸗ dern Gemach der Kaiſerburg noch ein zweiter Abſchied ſtatt. Es war in dem Cabinet des Kaiſers Franz, und der Kaiſer Alexander und der König Friedrich Wilhelm waren es, welche ihrem Bundesgenoſſen, dem Kaiſer Franz, ihr letztes Lebewohl ſagten.

Hand in Hand ſtanden die drei Monarchen in der Mitte des Zimmers, und ſchauten einander an mit Blicken feſter, ernſter Ent⸗ ſchloſſenheit.

So ziehen wir denn wieder aus zu erneuertem Blutvergießen, ſagte Alexander mit leiſer, bebender Stimme. Die glücklichen Tage unſers ſchönen Beiſammenſeins ſind vorüber, und auf's Neue wird Krieg und Verderben das arme noch von ſo vielen Wunden blutende Europa durchheulen, auf's Neue werden Tauſende blühender kräftiger Männer hingeopfert werden durch die Schuld dieſes Würgeengels, den Gott zum zweiten Mal zur Strafe unſerer Sünden auf uns gehetzt hat. Aber dies Mal dürfen wir nicht eher ruhen, als bis wir ihn ganz und für immer vernichtet haben. Ich wenigſtens habe auf das Evangelium geſchworen, die Waffen nicht niederzulegen, ſo lange Napo⸗