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Er griff nach dem Brief, den er vorher mit einer verächtlichen Bewegung auf den Tiſch geſchleudert hatte, und riß ihn auseinander.
Ja, ſagte er, ihn anſchauend, es iſt ihre Handſchrift. Dieſer Brief iſt wirklich von Friederike Hähnel. Und ſie, ſie ſollte mich ver⸗ rathen haben? Nein, nein, das iſt unmöglich, das— ach, leſen wir doch den Brief!
Er warf ſich auf einen Stuhl neben dem Tiſch nieder, zog den Armleuchter näher zu ſich heran und las den Brief, welcher alſo lautete:
„Sie haben mich getäuſcht und hintergangen! Sie haben mit meinem Herzen ein elendes und unwürdiges Spiel getrieben, und meine Liebe zu einem Werkzeug Ihrer Pläne gemacht. Ich habe Sie geliebt, grenzenlos, unausſprechlich; doch das iſt lange her, und klingt nur noch in mir nach wie die Ammenmährchen meiner Kindheit, die ich jetzt belächele, weil ich ſo klug geworden bin, zu wiſſen, daß ſie niemals eine Wahrheit werden können. Sie haben mich klug gemacht, und ich will Ihnen jetzt einen Beweis meiner Klugheit geben.— Auf jenem Feſt beim Baron Arnſtein, wo Sie mit Ihrer Gemahlin zu⸗ ſammen trafen, belauſchte ich Ihr Geſpräch. Ich ſtand hinter dem Bosquet, als Sie Ihrer zärtlichen Ehehälfte die Verſicherung gaben, daß Sie Friederike Hähnel durchaus nicht liebten, daß ſie nur ein Werkzeug in Ihren Händen ſei, als Sie ihr mit lachendem Munde erzählten, daß Sie mich betrögen, und zu Ihrer Rechtfertigung hinzu⸗
ſetzten, auch ich betröge Sie, denn ich liebte nicht Sie, ſondern Ihren
glänzenden Namen allein. Sie ſagten damals:„es kommt nur darauf an, wer ſeinen Zweck erreicht, und wer von uns Beiden zuletzt der Betrogene ſein wird.“ Dieſe Worte habe ich mir ſeitdem täglich wiederholt, mir täglich geſchworen, daß Sie zuletzt der Betrogene ſein ſollten! Jetzt habe ich mein Ziel erreicht, und— Sie ſind der Be⸗ trogene! Sie hatten mich verrathen in dem, was einer Frau das Höchſte iſt, in meiner Liebe,— ich habe Sie dafür verrathen in dem, was Ihnen das Höchſte dünkte,— in Ihrem Ehrgeiz! Sie wollten dem Kaiſer Napoleon wichtige Dienſte leiſten, damit er Sie dafür mit
Ehrenſtellen, Orden und Aemtern belohne. Sie wollten ihm die Ge⸗ 4
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