Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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ein Wort zu ſagen, bat Graf Neipperg. Er näherte ſich dem Grafen, zog aus ſeinem Buſen einen Brief hervor, und reichte ihn dem Grafen dar.

Herr Graf Montbrun, ſagte er, ich bin Ihnen noch ſchuldig, Ihnen eine Erklärung zu geben, Ihnen zu ſagen, durch Wen mir Ihr Entführungsplan verrathen ward, und Wer mir die Mittel in die Hand gab, ihn zu vereiteln. Dieſe Aufklärung finden Sie in dieſem Brief. Er kommt von einer Dame, die Ihnen wohl bekannt iſt, er kommt von Friederike Hähnel! Jetzt möge Ew. Majeſtät die Gnade haben, meinen Arm anzunehmen und mir zu geſtatten, Sie nach Schön⸗ brunn zurückzufahren. Das Abenteuer dieſer Nacht wird in Schweigen und Geheimniß begraben werden, denn Niemand, außer uns, kennt die geheime Thür des Toilettenzimmers, und durch dieſe werden Ew. Majeſtät in Ihre Gemächer zurückkehren, noch ehe der Morgen dämmert!

Marie Louiſe, mit einem zärtlichen Blick zu ihm aufſchauend, nahm ſeinen Arm und verließ mit dem Grafen das Gemach.

Montbrun ſchaute ihnen mit düſteren Blicken nach, in ſich ver⸗ ſunken, verloren in die finſtern Gedanken, welche ſeine Seele bewegten und ihn mit Verzweiflung und Zorn erfüllten. Jetzt, als er das Rollen des ſich entfernenden Wagens vernahm, ſtampfte er wild mit dem Fuß auf den Boden, und ſchleuderte einen flammenden Zornesblick zum Himmel empor.

Alles verloren! Alles umſonſt! ſagte er zähneknirſchend. Die Ar⸗ beit und Mühe eines halben Jahres vernichtet in Einem Moment, und mit leeren Händen muß ich zu dem Kaiſer zurückkehren, kann ihm kein Zeugniß geben meiner Ergebenheit, meiner Thätigkeit, kann von ihm keinen Lohn, keinen Dank fordern, ſondern werde nur mit finſterm Zornesblick, mit einem Lächeln der Verachtung empfangen werden. Oh, mein Gott, habe ich denn für all' meine Treue) meine Mühe eine ſolche Strafe verdient? Aber der Brief! Der Brief ſoll mir Aufklärung geben, ſagte mir der Graf Neipperg. Er ſoll mir ſagen⸗ wer mich verrieth. Wehe, wehe über ihn!

Mühlbach, Napoleon. IV. Bd. 35