Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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ein Herzog, und zu den Ammenmährchen lachen Sie, denn Sie ſind ſchon ſo alt und verſtändig, daß Sie an keine Mährchen mehr glauben. Im Traum und im Mährchen nannte man Sie Napoleon, jetzt ſind Sie aufgewacht, und Sie wiſſen, daß Sie, gleich Ihrem Herrn Groß⸗ vater, Franz heißen, nicht wahr, mein kleiner Herzog?

Nein, mein Herr, ſagte der Prinz, und ſeine weichen, kindlichen Züge nahmen einen trotzigen, ernſten Ausdruck an, und in ſeinen großen blauen Augen brannte ein Strahl von dem Feuergeiſt ſeines Vaters. Nein, mein Herr, wiederholte er noch einmal, ich heiße nicht Franz, ſondern Napoleon, wie mein Vater, der Kaiſer von Frankreich!

Graf Neipperg zuckte zuſammen und wandte den verwunderten, fragenden Blick auf Marie Louiſe hin. Sie ſchlug vor dieſem Blick die Augen nieder und erröthete.

Wie, gnädigſte Frau, fragte er, Sie haben noch nicht die Gnade gehabt, dem Prinzen zu ſagen, daß Se. Majeſtät der Kaiſer Ihren Wunſch erfüllt und ſeinem Enkel ſeinen eigenen Namen gegeben hat?

Nein, flüſterte Marie Louiſe, es iſt wahr, ich habe das vergeſſen, ich glaubte nicht, daß es damit ſolche Eile hätte.

Der Graf ſeufzte tief auf.— Marie Louiſe hörte dieſen Seufzer, und raſch emporſchauend begegnete ihr Auge dem traurigen, flehenden Blick des Grafen.

Frau Gräfin Montes quiou, ſagte ſie heftig und raſch, ich habe Ihnen mitzutheilen, daß Se. Majeſtät, mein Vater, mir auf meine Bitte die Erlaubniß ertheilt hat, meinem Sohn, ſtatt des Namens Napoleon, einen andern zu wählen, und daß er mir gnädigſt geſtattet, ihm ſeinen eigenen Namen zu geben. Mein Sohn, der Herzog von Reichſtadt, heißt alſo von heute an Franz, und—

Nein, nein, rief der Prinz, von ſeinem Stuhl aufſpringend und heftig mit. den Füßen ſtampfend, ich heiße nicht Franz, ich will mich nicht ſo nennen laſſen! Ich heiße Napoleon!

Du heißt Franz, ſagte Marie Louiſe, welche fühlte, daß der Blick des Grafen Neipperg auf ihr ruhte. Frau Gräfin, es iſt mein ernſter Wille, daß der Prinz fortan nur mit dem Namen Franz bezeichnet