Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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war von England herüber geweht. England, das bis jetzt in den ſäch⸗ ſiſchen und polniſchen Fragen im innigſten Einvernehmen mit Frank⸗ reich und Oeſterreich geweſen, England hatte plötzlich ſeine Wi geändert, und Lord Caſtlereagh hatte heute in der Conferenz Metter⸗ nich ganz offen geſtanden, daß die neueſten Depeſchen des Regenten von England es ihm zur Pflicht machten, den Frieden zu erhalten, und ihm, wenn es ſein müßte, Sachſen zu opfern, das heißt, es zuzulaſſen, daß Preußen ſich in den Beſitz Sachſens ſetze.

Dieſe unerwartete Nachricht war es, welche die Stirn Metternichs verdüſtert hatte, und welche machte, daß er jetzt in ſeinem Cabinet gedankenvoll und in ernſte Betrachtungen verſenkt auf und ab ging.

Ich ſehe da nichts als Verwickelungen, als Zwiſtigkeiten, ſagte er leiſe vor ſich hin. Alles iſt Unfrieden, Neid und Bosheit, und Alles wird auseinander platzen, wie eine überladene Bombe, die Alles in Brand ſteckt. Preußen beginnt ſchon zu drohen, und der Herr von Hardenberg hat mir heute in der Conferenz mit blitzenden Augen ver⸗ ſichert, daß Preußen nöthigenfalls mit den Waffen in der Hand ſeine Anſprüche auf Sachſen vertheidigen werde. Frankreich droht wiederum mit Waffengewalt, wenn Preußen ſeine Anſprüche auf Sachſen nicht aufgeben wolle, und läßt ſchon ſeine Truppen zuſammenziehen. Herr Talleyrand ſagte heute mit ſeinem ruhigen Lächeln zu Hardenberg, Frankreich habe bereits eine Armee von achtundſiebenzigtauſend Mann an ſeinen Grenzen aufgeſtellt, die kampfgerüſtet den Feind erwarte. Rußland wird auch immer ungeſtümer, und Kaiſer Alexanders Augen ſchleudern Blitze auf mich, die jedenfalls geeignet wären, mich zu zer⸗ ſchmettern, wenn er der Gott Zeus, und ich nichts weiter wäre, als ein zu ſeinen Füßen gefeſſelter Titan. Sein Herr Bruder Conſtantin hat ja ſchon einen Aufruf an die Polen erlaſſen, ſich zu erheben, die Waffen zu ergreifen, und bereit zu ſein, auf den Ruf ihres Königs, des Kaiſers Alexander, die Unabhängigkeit und Freiheit ihres Vater⸗ landes zu vertheidigen. Und wir ſelber, wir, Oeſterreich? Sehen wir uns nicht auch genöthigt, zu drohen, zu rüſten, und auf einen neuen Krieg vorzubereiten? In Böhmen haben wir ſchon ein Heer zuſammen⸗ gezogen, um nöthigenfalls Sachſen zu vertheidigen. Jetzt müſſen wir