Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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ein anderes Heer hierher ziehen, um Wien im Fall des Krieges gegen die Ruſſen zu decken. Und ein drittes Heer haben wir in Italien auf⸗ geſtellt, für den guten Jvachim Murat, der den Hochmuth hat, noch länger König von Neapel bleiben zu wollen. Nichts als Rüſtungen! Und das iſt der Erfolg davon, daß die Diplomaten Europa's hier ſeit fünf Monaten verſammelt ſind, um über den Weltfrieden zu berathen! Wahrhaftig, wenn die Sache nicht ſo abſcheuliche Folgen haben könnte, ſo müßte man darüber lachen. Seit fünf Monaten Friedens⸗Confe⸗ renzen, und der Erfolg davon, Krieg Krieg auf allen Seiten!

Metternich lachte laut auf, und warf ſich auf den Divan, um ein wenig auszuruhen von den Anſtrengungen der Conferenz. Aber immer wieder führten ihn ſeine Gedanken zu derſelben zurück und be⸗ läſtigten ſeine Seele mit ihren Aufregungen und Verdrießlichkeiten.

Ah bah, ſagte Metternich, ſein Haupt ſchüttelnd, als wolle er die läſtigen Inſecten verjagen, die ihn beunruhigten, ah bah, vergeſſen wir doch dieſe Langweiligkeiten! Es iſt am beſten, ſich gar nicht mehr

mit ihnen zu beſchäftigen, ſondern die Dinge gehen zu laſſen, wie ſie

eben gehen! Ich will heute nichts mehr damit zu thun haben, ſondern will mich mit nützlicheren und angenehmeren Dingen beſchäftigen. Ich habe da vor allen Dingen die Arrangements und Einladungen zu dem Ballfeſt zu überlegen, das ich in acht Tagen geben will. Zuerſt alſo die Einladungen!

Er ging zu ſeinem Schreibtiſch, ſetzte ſich vor denſelben, und nahm Papier und Feder. Zuerſt alſo: die kaiſerliche Familie! ſagte er, die⸗ ſelbe aufſchreibend. Nun, die wird mir nicht fehlen! Dann: der Kaiſer und die Kaiſerin von Rußland! Aber wird der Kaiſer kommen wollen? Darf ich ihn direct einladen, ohne eine brusque, abſchlägige Antwort zu riskiren? Ich werde General Hardegg als meinen Abge⸗ ſandten zu ihm ſchicken! Weiter! Der König von Nun, Jean, was giebt es? fragte er den eintretenden Kammerdiener.

Durchlaucht, es iſt im Vorſaal ein fremder Herr, der durchaus Ew. Durchlaucht, wie er ſagt, in dringenden Angelegenheiten, zu ſprechen wünſcht.

Hat er ſeinen Namen nicht genannt?

nin