Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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warf mein Piſtol in den nahen Fluß. Das hatte man geſehen, des⸗ halb verhaftete und verdächtigte man mich. Mein König, der jetzt durch Bonaparte ſo unglücklich geworden, mein König rettete ihn damals vor dem ſichern Tode.

Sie ſcheinen Ihren König ſehr zu lieben? fragte Talleyrand lächelnd.

Ja, ich liebe ihn, rief Sahla glühend, und dieſe Liebe iſt es, die mich herführt. Ich komme Sie zu beſchwören, daß Sie ſich meines unglücklichen Vaterlandes erbarmen, daß Sie Ihre mächtige, einfluß⸗ reiche Stimme noch eindringlicher, noch ſtärker, wie es bis jetzt ge⸗ ſchehen, für Sachſen erheben möchten. Ich komme, Ihnen im Namen meines Königs zu danken für das, was Sie bisher gethan, Sie zu beſchwören, ihm zu ſeinem Recht, zu ſeiner Hülfe Ihren Beiſtand zu leihen.

Sie kommen wirklich im Auftrag Ihres Königs? fragte Talleyrand zweifelnd.

Ja, ich komme von ihm, rief Sahla, ich habe ihn zu Preßburg in ſeinem Elend geſehen, ich habe, vor ihm auf den Knieen liegend, mit ihm geweint über das Unglück Sachſens, welches man wie eine elende Waare verſchenken, verſchleudern will, ich komme jetzt im Namen meines Königs zu Ihnen, um Sie zu beſchwören, dieſen Seelenhandel nicht zu dulden, nicht zuzugeben, daß der Congreß, in⸗ dem er moraliſche Reden über den Sclavenhandel hält, zugleich ſelber mit Völkern handelt, wie mit Sclaven, die ihm zum Verkauf über⸗ geben worden!

Es iſt ſehr freundlich, daß Ihr König in ſeinem Unglück an mich gedacht hat, ſagte Talleyrand achſelzuckend, aber ich fürchte, daß meine Stimme nicht ſtark genug iſt, um Diejenigen zu übertönen, welche wider ihn ſchreien. Ich habe Anfangs laut genug für Sachſen ge⸗ ſprochen, aber man hat mich übertönt, und jetzt, da ich geſehen, daß ich mit meinen Proteſtationen nichts erreiche, jetzt, da ich allein ſtehe, da auch England Sachſen fallen läßt, und es den Wünſchen Preußens opfert, jetzt werde auch ich verſtummen müſſen, und geſchehen laſſen,

* 1 2. was nicht mehr zu ändern iſt. Sachſen wird an Preußen fallen, denn