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Ehre gehabt, Sie zu ſehen, und wenn meine Erinnerungen mich nicht trügen, auch Sie zu ſprechen, und zwar unter ziemlich ernſten und eigenthümlichen Umſtänden.
Ihre Erinnerungen trügen Sie nicht, Herr Fürſt von Benevent, ſagte Sahla ruhig. Wir haben uns ſchon einmal geſehen und ge⸗ ſprochen, und die Umſtände waren ziemlich eigenthümlicher Art, denn man hatte mich beſchuldigt, daß ich einen Mordverſuch auf das Leben des Mannes, den Sie damals Ihren Kaiſer Napoleon nannten, be⸗ abſichtigt habe.
Ich habe mich alſo nicht getäuſcht, rief Talleyrand, bei Ihrem Namen tauchten dieſe alten Erinnerungen in mir auf. Es war zu Paris, nicht wahr? Man beſchuldigte Sie, daß Sie den Kaiſer beim Herausgehen aus dem Theater erſchießen wollen, iſt es nicht ſo?
Ja, es iſt ſo, man beſchuldigte mich deſſen, man konnte mir aber nichts beweiſen, ſagte Herr von Sahla ruhig. Sie ſelber, Herr Fürſt von Talleyrand, leiteten mein Verhör, und Sie erklärten mich für un⸗ ſchuldig, weil man mich nicht überführen konnte.
Und ſicher waren Sie auch unſchuldig, mein Herr, rief Talleyrand lächelnd. Sicher Sie nicht eine ſo grauſenvolle That, einen Mord!
Im Gegentheil, ich beabſichtigte ihn, ſagte der Calatravaritter ge⸗ laſſen, ich hatte den feſten Entſchluß gefaßt, Bonaparte, dieſen Dämon der Hölle, von der Erde zu ſchaffen, und Deutſchland, der ganzen Welt, und vor allen Dingen meinem geliebten Vaterland, dem Königreich Sachſen, den Frieden wiederzugeben. Sie nennen das eine grauſen⸗ volle That, wenn ſie aber gelungen, würden Sie dieſelbe vielleicht eine Heldenthat genannt haben! Ich wollte Napoleon allerdings bei der Abfahrt aus dem Theater tödten, ich hielt das geſpannte Taſchenpiſtol ſchon unter meinem Kleide verborgen bereit; der Wagen fuhr unter der beveckten Halle hervor, ich wollte das Piſtol herausziehen, aber neben Bonaparte erblickte ich den Bruder des Königs von Sachſen, meines geliebten Herrn. 2 rettete Bonaparte, denn ich konnte den Prinzen treffen, ſtatt ſeiner! Dieſer Gedanke machte mich ſchaudern, ich ließ die Hand mit dem Piſtol ſinken, verließ haſtig das S und
Mühlbach, Napoleon. IV. Bd. 8 S 24„ .—— . . 5


