Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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368 heimkehrend, mit langſamen Schritten, die Hände auf dem Rücken ge⸗& faltet, in ſeinem Cabinet auf und ab ging; er überlegte die heutige Sitzung, die vielen Kämpfe und Wirrniſſe, welche ſich an dem diplo⸗ 3 matiſchen Horizont aufthürmten, und ein leiſes, ſarkaſtiſches Lächeln flog 1 über ſein Antlitz hin.

Ungeſchickte Diplomaten ſind ſie Alle, ſagte er leiſe vor ſich hin, p denken nur an die nächſte Stunde, haben keinen weitſchauenden Blick, m und meinen, genug gethan zu haben, wenn ſie dem Chaos ein de Fetzchen Land, ein paar Tauſend Seelen entriſſen haben. Sehen nicht, i daß ſie auf einem Vulkan tanzen, und daß dieſer Congreß den Völ⸗ kern eine Warnung ſein wird für künftige Zeiten. Sie werden nicht N wieder mit ſo enthuſiaſtiſcher Bereitwilligkeit hinaus ziehen in den P Krieg für die ſogenannte Freiheit, ſondern vorher ein wenig überlegen, 5 was ſie von dem Krieg haben, und welchen Lohn man ihnen für ihr vergoſſenes Blut und ihre zerſchoſſenen Glieder geben wird. Ach, ach, ni ſie ſind arme Sünder, und wiſſen nicht, was ſie thun, ſie glauben, daß v ſie Alle nur im Princip der Monarchie handeln, und arbeiten wider ſt ihren Willen der Demokratie und den einſtigen Republiken in die Hände.

Man muß immer genau wiſſen, was man will, und was man erreichen li kann, und in der Gegenwart muß man immer die Zukunft im Auge ei behalten. Das wiſſen dieſe kleinen, ungeübten Diplomaten nicht, und

deshalb l

Ein leiſes Klopfen an der Thür unterbrach ihn in ſeinem Selbſt⸗ d geſpräch. Der eintretende Kammerdiener meldete: der Herr Baron von u Sahla wünſche Se. Durchlaucht zu ſprechen. E

Sahla, ſagte Talleyrand ſinnend, ich meine, ich hätte dieſen Namen v ſchon irgendwo ſonſt gehört. Ja, jetzt entſinne ich mich, rief er* 5 dann lebhaft. Laſſen Sie dieſen Herrn eintreten! 4

Der Kammerdiener öffnete die Thür, und die bleiche, ernſte Ge⸗ ſt ſtalt des Calatravaritters erſchien auf der Schwelle. b

Talleyrand winkte ihm näher zu treten, und ſeine kleinen, blitzenden 2 Augen hafteten mit einem tiefen forſchenden Blick auf dem m vollen Angeſicht des Herrn von Sahla. t

Ich glaube, mein Herr, ſagte er, ich habe ſchon früher einmal die 3.

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