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Der Graf ſtürzte zu ihr hin, faßte ihre Hand, und ſank, ſie an ſeine Lippen preſſend, auf ſeine Kniee nieder.
Und dann zu ſterben, ſagte er leiſe, indem er ſein Haupt auf ſeine Bruſt ſenkte.
Marie Louiſe bebte leiſe zuſammen, Purpurröthe überflog einen Moment ihre Wangen, und ein wunderbares Leuchten war in ihren Augen, welche ſie jetzt auf den, noch immer in ſo demüthiger Stellung vor ihr knieenden General heftete.
Warum ſterben? fragte ſie mit bebender Stimme.
Oh Gott, murmelte der Graf, ſie fragt mich noch, warum ich ſterben will!
Stehen Sie auf, Graf, ſagte Marie Louiſe, ſich gewaltſam zu⸗ ſammenraffend. Es ziemt einem tapferen General nicht, zu knieen. Stehen Sie alſo auf und ſagen Sie mir, weshalb Sie ſterben wollten, wenn Sie mir den Reiſepaß verſchafft hätten?
Der General ſtand auf, und die Kaiſerin mit traurigen Blicken anſchauend, fragte er: Ew. Majeſtät befehlen es?
Ja, ich befehle es!
Nun denn, rief der Graf ungeſtüm, ich wollte ſterben, weil ich das Unglück Ew. Majeſtät nicht überleben wollte.
Oh, dann hätten Sie jetzt ſterben müſſen, ſagte Marie Louiſe ſpöttiſch, denn bis jetzt war ich unglücklich, aber von dem Tage an, wo ich nach Elba reiſen dürfte, würde ich nicht mehr unglücklich ſein.
Nein, von dem Tage an würde das Unglück Ew. Majeſtät ſeinen Anfang nehmen, rief Graf Neipperg glühend. Denn von dem Tage an würden für Ew. Majeſtät die Enttäuſchungen, die Entnüchterungen beginnen, und Ew. Majeſtät würden in Ihrem edlen und groß⸗ müthigen Herzen alsdann die ſchwerſte aller Wunden erhalten, Sie würden erkennen müſſen, daß Sie getäuſcht worden, daß Ihre ſo edle, ſo großmüthige Liebe, Ihre erhabene, engelgleiche Treue nicht erwidert worden. Oh, ich rede nicht von den Gefahren, welche Ew. Majeſtät bedrohen würden, wenn Sie nach Elba gingen, nicht davon, daß Sie bald gezwungen ſein würden, Elba entweder flüchtig zu verlaſſen, oder mit Ihrem Gemahl auf irgend eine öde, weitabgelegene Inſel im Welt⸗
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