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voller, als umgeben von Ueberfluß in kaiſerlichen Palläſten zu leben, die Sclavin eines fremden Willens, das abhängige Werkzeug einer fremden Hand. Ein Paß, ein Reiſepaß für die Inſel Elba, das iſt Alles, was ich mir erflehe, das iſt es, was mir als das einzige würdige Geſchenk zu meinem Geburtstag erſcheinen würde.
Der Graf hatte ihr mit ſchmerzlicher Erregung zugehört, ſein Antlitz war immer mehr erblaßt, ſeine Lippen bebten, und ſchwere Seufzer hoben ſeine Bruſt. Jetzt, als Marie Louiſe ſchwieg, ſchaute er ſie an mit einem langen, ſchmerzlichen Blick, dann ſtürzte er zu ihr hin, preßte, ihre Hand ergreifend, einen langen, glühenden Kuß auf dieſelbe, und wandte ſich dann ab, um ſchwankenden, aber haſtigen Schrittes der Thür zuzugehen.
Marie Louiſe ſchaute ihm mit verwunderten, fragenden Blicken nach, aber als der Graf ſchon die Hand auf den Griff der Thür ge legt, rief ſie: Graf Neipperg!
Er wandte ihr ſein leichenbleiches, ſchmerzzuckendes Antlitz zu, abe er blieb neben der Thür ſtehen.
Kommen Sie hierher, rief Marie Louiſe ungeduldig.
Der Graf ſchritt vorwärts, aber blaß, ſchwankend, geſenkten Hauptes, wie ein Sterbender.
Wohin wollten Sie gehen, Herr Graf? fragte Marie Louiſe, und ihre Stimme war ſchon weicher und milder geworden.
Der Graf murmelte leiſe und hochathmend einige Worte, die Marie Louiſe nicht verſtand. Sie wiederholte daher ihre Frage: Wohin wollten Sie gehen, Herr Graf?
Ich wollte hingehen, um mich dem Kaiſer zu Füßen zu werfen, von ihm einen Reiſepaß für Ew. Majeſtät zu erflehen, und dann—
Und dann? fragte Marie Louiſe, als der Graf ſchwieg, und ſchwankend, nach der Lehne eines Seſſels griff, um ſich darauf zu ſtützen und ſich vor dem Umſinken zu bewahren.
Und dann? fragte ſie noch einmal, indem ſie ihm näher trat und ihm die Hand entgegenſtreckte, als ſolle er ſich an derſelben halten, um nicht umzuſinken.
Mühlbach, Napolevn. IV. Bd. 23


