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Nein, ich mißtraue Ihnen gar nicht, Herr Graf! rief Marie Louiſe mit einem rauhen Lachen. Ich bin gar nicht im Zweifel über Sie. Ich weiß, daß man Ihnen den Auftrag gegeben, mich zu über⸗ wachen, mich den Wünſchen des Kaiſers, meines Vaters, geneigt zu machen, meine Schritte zu lenken, und vor allen Dingen zu verhüten, daß ich keinen einzigen Schritt thue, der über die Grenzen hinausgeht, welche man mir ſo eng als möglich gezogen hat. Sie ſehen, ich bin ganz klar über mein unglückliches Schickſal, und dennoch wagen Sie es, hierher zu kommen, und mir Glückwünſche zu bringen? Glück⸗ wünſche! Sehen Sie da, Herr Graf, dieſe ſchönen und koſtbaren Ge⸗ ſchenke, welche man mir geſendet hat. Der Kaiſer und die Kaiſerin haben mir geſtern ſchon ihre Geſchenke dargebracht, meine Oheime und Brüder auch. Sehen Sie, alle dieſe Koſtbarkeiten, welche hier in der Mitte des Tiſches ſtehen, und hier die Gaben der Liebe meiner Freunde, meiner Diener. Nun, ich ſage Ihnen, alle dieſe Beweiſe der Liebe, der Theilnahme, der Achtung, wie ſehr ſie mein Herz auch gerührt haben, ich würde ſie alle freudig hingeben für das Eine, was allein ich begehre, deſſen Beſitz allein werth wäre, daß man mir Glückwünſche darbrächte.
Und was iſt dieſes Eine? fragte der Graf lebhaft.
Dieſes Eine iſt ein Reiſepaß, der mir erlaubt, nach Elba zu gehen, ſagte Marie Louiſe mit freudiger, ſtolzer Stimme. Ja, mein Herr, Sie ſollen wiſſen, daß alle Ihre Bemühungen, Ihre Beobach⸗ tungen, alle Ihre Beredtſamkeit vergeblich geweſen; Sie ſollen es wiſſen, und mögen Sie es meinem Vater, mögen Sie es der ganzen Welt wiederholen, daß Marie Louiſe nichts will und erſehnt, als das Recht, welches Gott, die heilige Kirche und mein Gewiſſen mir gegeben, das Recht, als die treue Gefährtin meines Gemahls an ſeiner Seite zu ſein, ihm ſein Unglück ertragen zu helfen, mit ihm zu leiden, und, wenn es ſein muß, mit ihm zu ſterben! Denn ein ehrenvoller Tod, ein Tod in der Ausübung meiner Pflicht, iſt beſſer, als das Leben der Sclaverei, der Demüthigung und Schande, welches ich zu führen ver⸗ urtheilt bin; auf einer wüſten Inſel zu leben, aber in unbeſchränkter Freiheit, aber Herr ſeines Willens und Denkens, iſt ſchöner und ehren⸗


