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den Brief wieder in ſeinen Buſen und flüſterte leiſe: Ich werde ſpäter Ew. Majeſtät den Brief überreichen.
Die Kaiſerin winkte mit einer raſchen Handbewegung nach der Thür hin, und forderte mit einem Blick und einer Kopfbewegung auch die Gräfin Montesquiou auf, hinauszugehen.
Dann, während die Gräfin und der Baron ſich der in die innern Gemächer der Kaiſerin führenden Thür zuwandten, richtete ſie ihre Blicke dem Grafen Neipperg zu, der eben aus dem Vorſaal in das Cabinet eintrat. Ihr Antlitz hatte einen düſteren ſtrengen Ausdruck angenommen, und nicht der leiſeſte Schimmer eines Lächelns umſpielte ihre Lippen, als ſie mit einem leichten Neigen des Kopfes die ehrer⸗ bietige Begrüßung des Generals erwiederte.
Ew. Majeſtät mögen mir verzeihen, wenn ich auch für mich die Huld beanſpruche, welche Sie gnädigſt Ihrem ganzen übrigen Hofſtaat bewilligt haben, ſagte der Graf, einen flüchtigen Blick nach dem mit Blumen und Geſchenken beladenen Tiſch hinüber werfend.
Was für eine Huld? fragte Marie Louiſe mit ſtrengem Ton.
Die Huld, zu den Füßen Ew. Majeſtät die Glückwünſche nieder⸗ zulegen, welche Ew. Majeſtät treueſter und ergebenſter Diener Ihnen aus vollſter Seele darbringen möchte.
Glückwünſche! rief Marie Louiſe mit einem ſpöttiſchen Lachen. Mir Glückwünſche! Oh, ich bin nicht anmaßend, ich mache keine An⸗ ſprüche mehr an das Glück, ich begehre vom Schickſal nichts weiter, als die Freiheit, meinen eigenen Willen haben zu dürfen, und das zu thun, was mir angemeſſen, recht und pflichtgemäß erſcheint.
Und wer möchte es wagen, Ew. Majeſtät daran verhindern zu wollen? rief der Graf entſetzt.
Sie wollen es wagen, der Fürſt Metternich, der Kaiſer Franz will es wagen! ſagte Marie Louiſe in immer ſteigender Aufregung. Oh, nehmen Sie nicht die Miene des Erſtaunens und der Ueber⸗ raſchung an, Herr Graf, ich laſſe mich nicht täuſchen, denn ich kenne Sie, und ich weiß, welche Rolle Sie hier bei mir ſpielen ſollen.
Eine Rolle? fragte der Graf ſchmerzlich. Ew. Majeſtät miß⸗ trauen mir alſo noch immer?


