Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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in das Cabinet eintretend, und ſich mit freudeſtrahlendem Geſicht Marie Louiſen nähernd. Ich bin ſo glücklich, Ew. Majeſtät die Glück⸗ wünſche des Kaiſers zu überbringen, und ich bin beauftragt, Ew. Ma⸗ jeſtät im Auftrag des Kaiſers dieſes Käſtchen zu überreichen.

Marie Louiſe nahm das ihr dargereichte kleine Käſtchen mit zit⸗ ternden Händen entgegen und öffnete es. Es enthielt ein goldenes, in Brillanten eingefaßtes Medaillon, auf deſſen Platte ein Neingegraben war. Die Kaiſerin öffnete das Medaillon, und betrachtete lange und ſinnend die Haarlocke, welche ſich in derſelben befand.

Und Sie haben dies wirklich aus Elba erhalten? fragte ſie. Sie täuſchen mich nicht? Das iſt wirklich das Haar des Kaiſers? Und er hat an mich gedacht, und dies Geſchenk zu meinem Geburtstag hierher geſandt?

Ew. Majeſtät werden ſich davon am beſten überzeugen können, wenn Sie die Gnade haben wollen, das Begleitſchreiben von des Kai⸗ ſers eigener Handſchrift von mir zu empfangen?

Wie? rief Marie Louiſe, Sie bringen mir auch einen Brief des Kaiſers? Wo iſt er? Geben Sie, oh, geben Sie!

Sie ſtellte haſtig das Käſtchen mit dem Medaillon auf den Tiſch zu den andern Geſchenken, und ſtreckte die Hand ungeduldig nach dem Brief hin, welchen der Baron Meneval eben aus ſeinem Buſen hervorzog.

In dieſem Moment, und ehe die Kaiſerin noch Zeit hatte, den Brief entgegenzunehmen, ward die Thür des Vorſaals geöffnet, und der Lakay meldete: Se. Excellenz der Graf Neipperg.

V. Jolgen der Eiferſucht.

Marie Louiſe zuckte zuſammen bei dem Namen des Grafen, und trat raſch einige Schritte zurück, der Baron von Meneval ſchob eilig