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Die Gräfin nahm den weinenden Knaben in ihre Arme empor, und ihn leiſe und zärtlich tröſtend und beſchwichtigend trug ſie ihn hinaus.
Marie Louiſe ging immerfort heftig auf und ab, ihre Wangen waren farblos, ihre Lippen zitterten, und ſchwer und fieberhaft ging der Athem aus ihrer wogenden Bruſt hervor.
Ja, ſagte ſie haſtig vor ſich hin, ja, man behandelt mich hier wie eine Sclavin, die nur den Befehlen ihres Herrn folgen darf. Ich bin hier nichts weiter als eine Gefangene, die man auf jedem Schritt be⸗ wacht, deren Mienen, deren Gedanken ſelbſt man belauſcht, weil man immer fürchtet, ſie möchte einen Verſuch machen, ihre Freiheit wieder zu gewinnen und ſich der Gewalt ihrer Tyrannen zu entziehen. Oh, es iſt ein ſchmachvolles und entwürdigendes Leben, das ich hier führe, man zwingt mich dazu, eine ehrloſe Rolle zu ſpielen, und wenn ich gehorche und mich unterwerfe, wird die Welt einſt mit Fingern auf mich zeigen, und wie man von der Königin von Weſtphalen ſagt, daß ſie ſich ein Denkmal ihres Edelmuths und ihrer Hochherzigkeit geſetzt, ſo wird man von mir ſagen, ich hätte mir ein Denkmal niedriger und feiger Geſinnung geſetzt. Aber man ſoll nicht ſo von mir reden dürfen! Nein, nein, ich will es nicht! Auch ich bin keine ehrloſe Perſon, auch ich bin die legitime Gemahlin des Kaiſers und ich will meinen Sohn nicht zum Baſtard ſtempeln. Gräfin, rief ſie der eintretenden Gouver⸗ nante des Prinzen zu, Gräfin, Sie ſollen mir rathen, Sie ſollen mir helfen, daß ich von hier fortkomme. Die Königin von Weſtphalen hat mir den Weg gezeigt, den ich wandeln muß. Ich will zu meinem Gemahl, ich will ſein Unglück mit ihm theilen, wie ich ſein Glück und ſeine Größe mit ihm getheilt habe!
Gott ſegne Ew. Majeſtät für dieſes Wort, rief die Gräfin mit Thränen in den Augen. Oh, warum kann der Kaiſer Sie nicht ſehen in dieſer edlen Begeiſterung, welche Ihr Antlitz verklärt! Warum kann er Ihre edlen, ſchönen Worte nicht hören, er würde dann nicht traurig und verzagt ſein, er würde nicht mehr fürchten und klagen, daß ſeine angebetete Gemahlin ihn auf ewig verlaſſen hat, daß ſie zu ſeinen Feinden übergegangen iſt.


