Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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Thränen, der Demüthigungen und des ſchmerzvollen Rückblickens in die Vergangenheit.

Aber heute ſollte in Schönbrunn ein Feſt begangen werden, das allein der Kaiſerin Marie Louiſe galt, und deſſen Königin ſie allein ſein durfte. Denn es war heute der zwölfte Dezember, der Geburtstag Marie Louiſens, und ihre Damen und Cavaliere hatten es ſich zur Aufgabe gemacht, dieſen Tag möglichſt feierlich zu begehen, um ſie zu bewahren vor den ſchmerzlichen Rückerinnerungen an ihre glänzende Vergangenheit. Sie hatten daher allerlei kleine Ueberraſchungen arran⸗ girt, hatten die Kaiſerin in der Frühe des Morgens ſchon mit Muſik geweckt, dann hatte der ganze kleine Hof in feſtlicher Toilette ſich zum Lever der Kaiſerin gemeldet, und Jeder hatte um die Erlaubniß ge⸗ beten, ihr ein kleines Geſchenk überreichen zu dürfen. Auch ihr Sohn, den man jetzt nicht mehr den König von Rom, ſondern den Prinzen Napoleon nannte, hatte Marie Louiſen ein kleines franzöſiſches Ge⸗ dichtchen declamirt, und mit demſelben ihr eine Silhouette ſeines Va⸗ ters überreicht, welche der Baron Meneval ihm aufgezeichnet, und die der Prinz dann ſelber zierlich ausgeſchnitten und auf roſa Papier ge⸗ klebt hatte.

Marie Louiſe hatte der niedlichen Declamation des kleinen Prinzen mit einem ſanften Lächeln zugehört, als er ihr aber die Silhouette überreichte, hatte eine tiefe Röthe einen Moment ihr Antlitz über⸗ goſſen; faſt verlegen, mit niedergeſchlagenen Augen, hatte ſie das kleine Portrait genommen, und ohne nur einen Blick auf daſſelbe zu werfen, hatte ſie es raſch auf den Tiſch zu den andern Geſchenken gelegt.

Liebe Mama Kaiſerin, ſagte der kleine Prinz traurig, warum be⸗ trachteſt Du Dir nicht das ſchöne Bild von meinem Papa? Haſt Du denn den großen Kaiſer gar nicht mehr lieb, daß Du ſein Bild nicht ſehen willſt?

Marie Louiſe ſchien dieſe Frage nicht gehört zu haben, ſie hatte ihr Angeſicht ganz verſenkt in den großen Blumenſtrauß, den ihr der tleine Napoleon mit ſeiner Silhouette dargereicht, und deſſen Duft ſie mit Entzücken einzuathmen ſchien.

Aber der Prinz zog mit dem Ungeſtüm, der die Kaiſerin ſchon ſo

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