Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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Jo, ſagte Friederike, als der Staatskanzler ſie verlaſſen hatte, die Wandertage der pilgernden Thörin ſind jetzt vorläufig beendet, und ich habe meinen Hafen erreicht. Aber jetzt kommt es darauf an, mir in dieſem Hafen auch ein mit den Schätzen Indiens beladenes Schiff vor Anker gehen zu laſſen, damit, wenn der Herr, dem dieſer Hafen ge⸗ hört, einſt ſtirbt, man mich nicht mit Schimpf und Schanden als Bettlerin von dannen jagt, und mich zwingt, mein Abenteurerleben von Neuem zu beginnen. Ich will reich werden, ich muß reich werden. Gold, das iſt die Brücke, welche allein fortan mich mit der Geſellſchaft verbindet, Gold wird mir dereinſt einen Namen, einen Rang geben! Der reichen Frau wird man dereinſt ihre Vergangenheit verzeihen, für die reiche Frau wird man Nachſicht, Entſchuldigung und Güte haben. Erbärmliche Welt, deren Gunſt, deren Achtung, deren Lächeln man ſich mit Gold erkaufen kann! Aber es iſt einmal ſo, und da es ſo iſt, muß ich Gold zuſammenraffen, Gold, um zuletzt die wandernde Thörin, vie närriſche Abenteurerin als eine tugendhafte Frau erſcheinen zu laſſen. Mit Gold erkauft man ſich Alles, ſelbſt den Himmel!*) Aber

*) Friederike Hähnel hat alle ihre Pläne erreicht. Sie hat nach dem Tode ihres Beſchützers, des Staatskanzlers von Hardenberg, ſich mit ihrem Gelde einen Gemahl gekauft, der ihr wenigſtens einen adligen Namen und den Rang einer Baronin geben konnte. Sie hat, nachdem das Alter mit ſeiner Lange⸗ weile, ſeinen Schreckniſſen, Enttäuſchungen und vielleicht auch Gewiſſensbiſſen kam, ſich auch den Himmel zu erkaufen geſucht. Sie ward in Rom katholiſch, und galt dort für eine ſehr heilige Dame, weil ſie gelobt, nach ihrem Tode ihr ganzes ungeheures Vermögen der Kirche zu vermachen. Die römiſche Geiſtlichkeit, ja ſogar die hohen Cardinäle hielten es daher für angemeſſen, ſich um die Ge⸗ neigtheit der reichen, frommen und geiſtreichen Frau zu bewerben. Durch einen der Cardinäle ward ſie dem Papſt Gregor XVI. vorgeſtellt, und bis zum Tode des Papſtes war ſie alsdann in Rom eine ſehr einflußreiche, ge⸗ ſeierte Frau.