Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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Abendroth ſeines verlöſchenden Tages umſtrahlt, nun, ſo mögen ſie ihre Augen abwenden, und im Gefühl ihrer ſtolzen Tugend von dannen gehen. Aber es fragt ſich, Friederike, ob Du die Gefährtin des Greiſes ſein willſt, ob es Dir genügt an meiner Seite zu leben als meine Freundin, meine Tochter und Geſellſchafterin?

Sie legte ihre beiden Hände auf ſeine Schultern, und ſah ihm tief in die Augen. Ich will Alles das ſein, flüſterte ſie leiſe und lächelnd, Alles das, was Sie wollen, daß ich ſein ſoll! Ich will nur

für Sie leben, nur Ihre Wünſche als meine Geſetze betrachten, und

wenig ſoll es mich kümmern, ob die heuchelnde Welt mit ihrem tugend⸗ haften Geſicht, und ihrem laſterhaften Herzen hinter mir her lacht, wenn ich vorübergegangen bin. Ich werde ſchon vafür ſorgen, daß Niemand es wagen ſoll, mir in's Geſicht zu lachen.

Dies wird meine Sorge ſein, Kind, und ich denke, man wird ſich ſchon bequemen, einige Rückſicht zu nehmen auf die Freundin und Ge⸗ ſellſchafterin des Staatskanzlers von Hardenberg.*) Es iſt alſo ab⸗

*) Der Staatskanzler von Hardenberg nahm wirklich Friederike Hähnel in ſein Haus und ließ ſie, unbelümmert um das Gerede der Welt, beſtändig an ſeiner Seite ſein. Sie war ſeine unzertrennliche Gefährtin, die er niemals verlengnete, und der die allezeit in ſolchen Dingen gefällige Welt überall mit Zuvorkommenheit begegnete, um dem mächtigen Staatslanzler angenehm zu ſein. Ich ſelber hörte Friederike Hähnel einmal, als ſie allein war in einer Geſell ſchaft, in der ich zufällig mit ihr zuſammentraf, erzählen, daß ſie einſt mit dem Staatskanzler eine Reiſe gemacht an einen kleinen deutſchen Hof. Sie logirte mit ihm im Schloß des regierenden Herrn, und als die Einladung erging, zur großherzoglichen Tafel zu kommen, führte der Staatskanzler ganz unbekümmert ſeine Geſellſchafterin mit ſich in den fürſtlichen Eßſaal. Sie ſah ſehr wohl das Entſetzen der fürſtlichen Herrſchaften und Hofleute und noch jetzt, als ſie davon ſprach, leuchtete ein dämoniſches Feuer aus ihren dunkeln Augen und ſchilderte ſie mit beißender Jronie die Verlegenheit und Beſtürzung der Hofgeſellſchaft, und die höhniſche Schadenfreude, die ſie darüber empfunden. Inveſſen, erzählte ſie, hätte der großherzogliche Hof ſich in die Lanne des allmächtigen Staats⸗ kanzlers gefügt, habe ſie an der Taſel Platz nehmen laſſen an der Seite des Staatskanzlers, und da die Großherzogin es nicht umgehen konnte, mit ihr zu ſprechen, habe ſie ſie immer alsFrau Gräfin angeredet. Aber ſie lachte laut auf und rief:Entſchuldigen Ew. Königl. Hoheit, ich bin keine Gräfin, ſondern nichts weiter als des Uhrmachers Hähnel älteſte, eheleibliche Tochter.

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