Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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II. Der Bchwur der Rache.

Nun, mein Kind? fragte der Staatskanzler von Hardenberg, am Morgen nach dem Balle in Friederikens Zimmer eintretend. Nun, mein Kind, Sie waren geſtern Abend auf dem Zauberfeſt des jüdiſchen Barons?

Ja, ich war da, ſagte Friederike mit einem ſeltſamen Lächeln. Ich war da, und ich danke Ew. Excellenz, daß Sie mir die Gelegen⸗ heit dazu verſchafft hatten, dieſem Zauberfeſt, wie Sie es nennen, bei⸗ zuwohnen.

Aber ich danke es Dir nicht, Kind, daß Du mich Deine Exiſtenz gar nicht ahnen ließeſt, ſagte der Staatskanzler, ihr leicht mit dem Finger drohend.

Oh, Sie waren immer umringt von Bewunderern und Höflingen, rief Friederike, ich wagte mich nicht hinein in das vornehme Gedränge, das Ew. Excellenz umgab, denn ich fürchtete

Nun, warum zögerſt Du, Kind? Sprich doch weiter! Komm her zu mir, Friederike, ſetze Dich zu mir, und ſage mir: was fürch⸗ teteſt Du?

Friederike eilte zu ihm, und ſich zu ſeinen Füßen niederkauernd, mit den Armen ſeine Füße umſchlingend, und Pas Kinn auf ſeine Knieen aufgeſtützt, blickte ſie mit ihren großen, ſchwarzen Augen fra⸗ gend und forſchend zu ihm empor.

Ich fürchtete, ſagte ſie ernſt und langſam, ich fürchtete, Ew. Ex⸗ cellenz möchten mich in dem glänzenden und hochgebornen Kreis, ver Sie umgab, vielleicht nicht erkennen wollen, möchten mich verleugnen. Und da ich Sie liebe, und da ich Sie anbete, wollte ich Ihnen keine Gelegenheit aufdrängen, Ihr edles, ſchönes Selbſt verleugnen zu

müſſen.

Und wenn Du mich liebſt, Thörin, mußteſt Du wiſſen, daß ich meine Freunde niemals verleugne. Wir ſprechen nachher weiter und

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