Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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ſamkeit zugewandt, um ſeinetwillen war die Unterhaltung in den Sa⸗ lons verſtummt, und ihn nur wollte man hören.

Mein Gott, wer mag das ſein? fragte die Fürſtin Bagration. Ich habe mich doch geirrt, es iſt kein Fürſt

Nein, Fürſtin, ſagte Metternich, und ſein ſchönes Antlitz hatte einen ernſten, ehrfurchtsvollen Ausdruck angenommen, nein, Fürſtin, Sie haben ſich nicht geirrt, es iſt ein Fürſt, den Sie da vor ſich ſehen, ein großer und mächtiger Fürſt, nur daß ſein Reich nicht von dieſer Welt iſt, und daß der Congreß, ſo mächtig und begehrlich er immer ſein mag, ihm von ſeinen Domainen auch nicht einen Zoll breit ent⸗ wenden kann. Es iſt ein ſouverainer Fürſt der Kunſt, und er heißt Ludwig van Beethoven.

Beethoven! rief die Fürſtin freudig. Oh, laſſen Sie mich hin, ich muß ſeine Hand küſſen, muß ihm ſagen, daß ich ihn anbete, daß

Nein, bleiben Sie, holde Schwärmerin, ſagte Metternich, ſie lächelnd zurückhaltend, Sie ſollen Niemand ſagen, daß Sie ihn an⸗ beten, ſelbſt Beethoven nicht! Aber hören Sie nur, welch' eine mäch⸗ tige gewaltige Stimme Fürſt Beethoven hat.

Still! Laſſen Sie mich hören, was er ſagt. Er ſchweigt ſchon wieder. Aber warum antwortet ihm denn Niemand? Was ſchreiben denn die Andern?

Sie ſchreiben, Fürſtin, weil Beethoven wohl ſehen, aber nicht hören kann. Der große Fürſt der Töne und der Klänge iſt ſelber taub, und nur Wenige giebt es, die er verſteht, deren Stimmen ihm noch im Ohr klingen von langer Gewohnheit her. Deshalb verſteht er auch die Fürſtin Lichnowsky, denn er kennt ſie lange ſchon.

In dieſem Moment vernahm man wieder Beethoven's Stimme.

Ach, Sie ſind ein Verwandter des Prinzen Louis Ferdinand, Herr Fürſt von Radziwill, ſagte er. Es freut mich, Sie kennen zu lernen, denn Sie erinnern mich an einen der liebenswürdigſten, begabteſten und geiſtvollſten Jünglinge, die ich geſehen. Wahrhaftig, der Prinz Louis Ferdinand hätte es gar nicht nöthig gehabt, ein Fürſt zu ſein, um Etwas in der Welt vorzuſtellen, es war der Stoff in ihm zu einem Künſtler, zu einem Meiſter in der Kunſt!