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eine Soirée folgen, zu der aus Wien noch neue Gäſte eintreffen wür⸗ den, und dann inmitten der Nacht ſollte die ganze Geſellſchaft unter Fackelſchein wieder nach Wien zurückfahren.
Man war in dem Programm der Tagesfreuden bis zu der Soirée gelangt, und die Geſellſchaft befand ſich jetzt in den prachtvollen, glän⸗ zend erleuchteten Sälen, die in ihrer koſtbaren und auserleſenen Ein⸗ richtung nichts von dem Charakter des Ländlichen und Einfachen mehr an ſich trugen. Die Damen wetteiferten miteinander in der Pracht der Toiletten, mit Brillanten und Juwelen waren ihr Haupt und ihre Arme geſchmückt, die Herren erſchienen in ihren goldgeſtickten Uniformen, die Bruſt mit funkelnden Orden geziert, und nur ſpärlich wagte ſich der ſchwarze Frack, das bürgerliche Civilkleid unter dieſes goldfun⸗ kelnde, frohe Gewühl.
Man war heiter und frohen Muthes, ſelbſt die erhabenen Diplo⸗ maten, welche in Wien ſich täglich damit beſchäftigten, Europa's Län⸗ dern und Fürſten neue Geſetze, neue Grenzen zu geben und Europa's Völker, je nach den Wünſchen der Fürſten, hierhin und dorthin zu ver⸗ theilen, Denen Unterthanen, oder wie man damals zu Wien auf gut Ruſſiſch ſagte:„Seelen“ fortzunehmen, um ſie Jenen zu geben, hier ein Herzogthum in ein Königreich, ein Fürſtenthum in ein Herzogthum zu verwandeln, bald Königreiche zerſtückelnd, um ſie als neuen, glän⸗ zenden Diamant andern Kronen einzufügen, bald Republiken vernichtend, um ſie als Provinzen irgend einem Königreich oder Kaiſerreich einzu⸗ verleiben, dieſe ſo vielfach beſchäftigten Diplomaten ſelbſt hatten heute bei dieſem Feſt ein vollkommen heiteres Geſicht. Ihre Sorgen und Nöthe hatten ſie in Wien zurückgelaſſen und keine der Wolken, die in den vormittäglichen Conferenzen die Stirnen der Staatsmänner zu be⸗ ſchatten pflegten, lagerten jetzt auf ihrer Stirn. Viele von ihnen hatten indeß dem Ernſt des Tages erſt ihren Tribut zahlen müſſen, ſie hatten nicht Theil nehmen können an den ländlichen Vergnügungen und waren erſt zur Soirée auf der fürſtlichen Villa eingetroffen.
Dieſe ſpät Gekommenen wurden von ihren Freunden und Be⸗ kannten freudig begrüßt, gleichſam, als habe man ſich lange nicht ge⸗ ſehen und finde ſich nun nach langer Trennung in der Fremde wieder.


