Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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Das iſt die Wahrheit, Kind, die lautere Wahrheit. Er iſt ver⸗ mählt mit einer reizenden, ſchönen Frau, gleich ihm einer enragirten Bonapartiſtin, einer nahen Anverwandtin der Herzogin von Montebello. Sie iſt gleich ihm hier unter einem falſchen Namen, und Niemand ahnt, daß die liebreizende junge Wittwe Baldorini, die hier in allen Salons gefeiert wird, ganz im Geheimen vermählt, und nichts weiter als eine 1 ſehr geſchickte Agentin des Herrn Bonaparte iſt.

Beweiſe! ſagte Friederike hochathmend, ihre Hände krampfhaft in 1 einander ſchlagend, die bebenden Lippen feſt auf einander gepreßt. Laſſen Sie mich ſeine Frau ſehen, oh, laſſen Sie mich ſie ſehen, damit ich ſie mit meinen Blicken erdolchen kann.

Nun, ich denke, eine Gelegenheit, ſie zu ſehen, werde ich Ihnen ſchon verſchaffen können. Die ſchöne Gräfin Baldorini wird überall eingeladen, wo man hier ein Feſt giebt. Um Ihnen gefällig zu ſein, habe ich mich erkundigt, ob ſie eine Einladung zum Maskenfeſt beim Baron von Arnſtein erhalten hat.

Und was haben Sie erfahren? Wird ſie dort ſein?

Jo, ſie hat eine Einladung erhalten, und ſie hat ſie angenommen. Sie ſehen alſo, wie herrlich ſich das trifft, denn auch Sie haben ja eine Einladungskarte für dieſes Feſt.

Friederike ſtieß einen dumpfen Schrei aus, und ſank wie zerbrochen auf einen Seſſel nieder. 1

Was iſt's? fragte Hardenberg erſtaunt. Was bewegt Sie auf einmal ſo ſehr? Fühlen Sie nicht die Kraft, Ihrer glücklichen Neben⸗ buhlerin gegenüber zu treten? Wollen Sie nicht zu dem Feſt gehen?

Ich kann nicht hingehen! ſagte ſie, ihre geballten Fäuſte hoch 3

emporſtreckend, als wolle ſie dem Himmel drohen, daß er ſie ver⸗

rathen habe. Wie denn, Sie können nicht zu dem Feſt gehen? fragte Harden⸗ berg. Ich habe ja für Sie, für meine Landsmännin, Fräulein von

Friedrich, noch eine Einladungskarte erbeten, und man hat ſie mir ge⸗

ſandt. Haben Sie denn dieſe Karte nicht mehr?

Nein, ich habe ſie nicht mehr! Er hat ſie von mir erbeten, und

ich gab ſie ihm. Mühlbach, Napoleon. 1V. Bd.

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