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Ach, die Schlaue, will ſich den Anſchein geben, als habe ſie es vergeſſen!
Friederike legte ihr Haupt auf ſeine Kniee, und ſchaute mit ihren großen ſchwarzen Augen tiefernſt zu ihm empor. Ich habe Alles ver⸗ geſſen, außer daß ich Sie anbete, und daß ich ewig ſo zu Ihren Füßen liegen möchte!
Oder als angebetete Königin und Herrin, umgeben von Schmeichlern, inmitten eines Salons ſtehen möchte, rief Hardenberg lachend.
Ah, jetzt weiß ich, wovon Sie reden, ſagte Friederike gleichgültig, Sie reden von meinem Mann, von dem deus ex machina, der er⸗ ſcheinen, und mir Namen, Rang und Stand geben ſoll.
Ja, von Ihrem Manne rede ich, den ich Ihnen damals in Berlin feierlich verſprochen habe. Denken Sie nicht, Theuerſte, daß ich es mit Ihnen mache, wie es die Fürſten mit ihren Völkern gemacht, daß ich in der Stunde, wo ich Ihrer Hülfe bedurfte, Ihnen nur glänzende Verſprechungen gewacht habe, die ich aber nicht zu erfüllen gedenke. Nein, mein Kind, ich bin eingedenk meines Schwurs, und die Stunde der Erfüllung iſt jetzt gekommen. Aber erſt ſagen Sie mir doch, wie ſtehen Sie mit dem jungen Herrn von Sahla, dem enragirten jungen Sachſen? Haben Sie ſeinen Enthuſiasmus richtig geleitet, und die Vaterlandsbegeiſterung glücklich erſtickt unter der Liebesbegeiſterung? Iſt er noch immer der Auserkorene, dem meine Diavolezza ihre Hand reichen will?
Ich glaube, Excellenz, ich habe da den furchtbarſten Affront, der einem Weibe geſchehen kann, erdulden müſſen. Ich bin verſchmäht, und Herr von Sahla hat unſern Plan vergeſſen, oder er mißtraut mir, und meint, daß ich als gute Preußin, das heißt als gute Harden⸗ bergerin, auch nicht ſein Sachſen von Preußen erlöſen werde. Die Probezeit der vier Wochen iſt beinahe zu Ende, und ich habe Herrn von Sahla nicht wieder geſehen.
Nun denn, le mari est mort, vive le mari! ſagte Hardenberg lächelnd. Ich habe einen andern Gemahl für Sie entdeckt, einen liebenswürdigen Gentilhomme, mit hochtönendem ariſtocratiſchen Namen,


