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alſo bleibe ich Ihre Diavolezza, und freue mich darauf, mit Ihnen dort unten zuſammen zu ſein.
Wie, Du meinſt alſo, daß ich auch ein Sohn der Hölle ſei und einſt in meine Heimath zurückkehren werde? rief Hardenberg lachend.
Ich bin davon überzeugt, Excellenz. Sie ſind viel zu geiſtreich, um in den Himmel kommen zu können, und ſeit Sie hier in Wien als Congreßmitglied wirken, haben Sie ſchon ganz den Duft eines echten Teufelsbratens angenommen.
Ja, es iſt wahr, ein bischen von der Vorhölle durchleben wir ſchon hier in Wien, ſagte Hardenberg lachend, und wenn wir nicht ſelbſt Deufel ſind, ſo kann man hier in der Ungeduld ſeines Herzens leicht zum Deufel gehen.
Das heißt, zu Talleyrand, rief Friederike, ich bilde mir ein, daß Talleyrand wirklich der verkleidete Teufel iſt. Er hat ſich freilich als Menſch angezogen, aber ſeinen hinkenden Pferdefuß hat er doch nicht verleugnen können, und dieſe Mahnung an ſeinen Urſprung ſchleppt er durch Eure Salons dahin! Und Ihr ſeht's mit Euren leibhaftigen Augen, und ahnt doch nicht, daß er der leibhaftige Gottſeibeiuns iſt, dem Ihr Alle ſo hofirt und ſchön thut.
Du haſt Recht, Friederike, etwas vom Teufel ſteckt in ihm, ſagte Hardenberg gedankenvoll. Ein ziemliches Feuer hölliſcher Zwietracht hat der Herr Talleyrand uns hier ſchon auf dem Congreß angezündet, und ſchürt es mit geſchickten Händen, auf daß es immer höher auf lodere, und mit ſeinem Rauch und ſeinem Dunſt uns Allen die Köpfe verdrehe. Unter dem Vorgeben, nichts zu wollen, ſondern nur im Namen Frankreichs das Princip der Legitimität aufrecht erhalten zu müſſen, opponirt er dagegen, daß Preußen von Sachſen Beſitz nehme, und erklärt es für einen Raub, für ein revolutionaires Unternehmen. Aus demſelben Princip will Talleyrand den König Ioachim Murat des Throns von Neapel verluſtig erklärt wiſſen, obwohl England und Oeſterreich, zum Dank für Murat's an Napoleon verübten Verrath, ihm feierlich den Beſitz Neapels zugeſichert haben. Eine unbeſchreib⸗ liche Verwirrung, ein ewiges Hadern und Zanken iſt die Folge davon,


