Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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licheren. Möge die Zeit bald kommen, wo Mir jeder Andere weichen muß, wo ich frei und ſtolz vor aller Welt ſagen darf: Friederike iſt Mein! Mir gehört ſie an, und Niemand hat ein Recht auf ſie, als ich allein!

Dieſe Zeit wird bald kommen, Eduard, wir werden ihren Flug beſchleunigen, daß ſie mit Engelsfittigen zu uns heranſchwebt und uns glücklich macht! Lebe wohl, mein Eduard, lebe wohl, und gedenke mein!

Noch eine letzte Umarmung, ein letzter Kuß, dann eilte Eduard von dannen.

lI. Die Entdeckung.

Friederike ſchaute ihm nach mit ſtrahlenden Augen, mit einem glücklichen Lächeln. Oh, mein Gott, flüſterte ſie leiſe, ich liebe ihn, und ich fühl's, dieſe Liebe wird mein Verderben ſein, denn ſie hat mich herausgeworfen aus meiner Bahn, ſie will verſuchen, den Dämon in einen Engel zu verwandeln. Aber wird ihr denn das gelingen? Wird nicht eines Tages, mitten in den heiligen Tempelhallen der Liebe, der Dämon wieder wach in mir werden, und wird den Engel verjagen, um wieder Beſitz von mir zu nehmen? Ach, ach, ich zittere vor meiner eigenen Schwäche, und mir ſcheint, ich bin nicht dazu gemacht, um gut und glücklich zu ſein. Aber nein, ich will nicht grübeln, und phan⸗ taſiren von der Zukunft. Die Gegenwart nimmt alle meine Kräfte und Gedanken in Anſpruch. Wie närriſch doch dieſe Welt iſt! Die Liebe ſollte mich erlöſen, hoffte ich, aus allen Intriguen, Heucheleien und Verſtellungen, und jetzt iſt es juſt die Liebe, welche mich wieder mitten hinein wirft in den Strudel der Intriguen, der Heuchelei und Lüge! Denn ich bin jetzt eine Verſchworene, eine Bonapartiſtin! Ah, wie mein theurer Freund ſtaunen und ſich entſetzen würde, wenn er