Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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legend, und ihr tief in die Augen ſchauend. Ja, ich glaube Dir, denn mein Leben würde ſeinen Halt und ſein Licht verlieren, wenn ich Dir mißtrauen müßte. Sprich alſo mit Deinem Freund, ſuche zu erfahren, was der Congreß über den Kaiſer Napoleon, über den Prometheus, den ſie auf Elba angeſchmiedet haben, beſchloſſen hat. Suche einzu⸗ wirken auf die Geſinnungen Deines Freundes. Mache ihn unſern Plänen geneigt, ſage ihm, daß Frankreich die Bourbonen verabſcheut, und den Kaiſer zurückerſehnt.

Ich werde ihm das Alles ſagen, ich werde alle meine Beredtſam⸗ keit, meine Geſchicklichkeit aufbieten. Indem ich das thue, arbeite ich ja an meinem Brautkleid und pflücke mir die Myrthen zu meinem Hochzeitskranz. Aber iſt das Alles, kann ich weiter nichts für Dich thun, Eduard? Bedürfen wir zu unſerer Unternehmung nicht vor allen Dingen des Geldes?

Nein, Friederike, ſagte er lächelnd. Wenn Du Geld haſt, ſo ſammle es für Dich, meine Braut, für unſer Stammſchloß im Ardennen⸗ wald. Ich bin arm, Friederike, meine Vorfahren haben ihr Vermögen hingegeben im Dienſt der Könige. Ich habe die letzten Trümmer deſ⸗ ſelben hingegeben im Dienſt des gefangenen Kaiſers.

Ich werde Reichthümer ſammeln für uns Beide, rief Friederike freudig. Das Schloß unſerer Ahnen ſoll aus dem Schutt hervor⸗ gehen, wie der Phönix aus der Aſche, und alle Quellen des Wohl⸗ ſtandes, des Lebensgenuſſes ſollen ſich uns öffnen! Vertraue nur mir, mein Geliebter. Du giebſt mir Deinen Namen, ich gebe Dir die Mittel, unſerm Namen Glanz zu verleihen.

Dazu bedarf es keines Geldes, dazu bedarf es nur Deiner Per⸗ ſon, ſagte er innig. Aber jetzt fällt mir noch etwas ein, um das ich Dich bitten könnte im Namen unſeres Bundes. Ich bedarf einer Unterredung mit Eugene Beauharnais, ich muß ſuchen ihn für uns, für ſeinen Vater zu gewinnen. Aber es giebt kein Mittel ihn zu ſehen, ohne ihn zu verdächtigen, denn überall umgeben ihn Aufpaſſer und Spione, und er wäre verloren, wenn es gelänge, ihn bei dem Kaiſer Alexander zu verdächtigen.

Sende mich zu ihm, rief Friederike, mache mich zur Vermittlerin