Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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kämpfen giebt, da will ich ihn für Dich erkämpfen, oder im Kampf ſterben! Von dieſer Stunde an nehme ich Theil an Deiner Verſchwö⸗ rung, und erſt, wenn es unſerm gemeinſamen Wollen gelungen iſt, die Gemahlin und den Sohn des Kaiſers Napoleon wieder nach Frankreich zurück zu führen, erſt dann will ich Deine Gemahlin wer⸗ den, erſt dann ſoll der Marquis von Barbaſſon mich als ſein Weib in das Schloß unſerer Ahnen heimführen. Das ſchwöre ich bei Gott und unſerer Liebe!

Ich nehme Deinen Schwur an im Namen unſerer Liebe, und Gott wird ſeinen Segen dazu geben, rief der Marquis, indem er das junge Mädchen in ſeine Arme zog und einen glühenden Kuß auf ihre Lippen preßte.

Und jetzt ſage, was ich thun muß, ſagte ſie lebhaft. Weihe mich in Deine Pläne ein. Gieb mir einen recht ſchwierigen, gefährlichen Auftrag, damit ich ihn erfüllen und Dir beweiſen kann, was ich zu thun im Stande bin.

Für den Augenblick giebt es noch nichts Entſcheidendes zu thun. Alles kommt darauf an, abzuwarten, hinzuhalten und zu verhindern, daß man den Kaiſer nicht etwa durch einen coup de main und ehe wir es hindern können, von Elba fortführt.

Ich werde Eure Spionin ſein, rief Friederike lächelnd, ich werde Alles erfahren und Dir Alles wiederſagen.

Du wirſt Alles erfahren? wiederholte der Marquis ſinnend. Durch wen?

Durch einen hohen und mächtigen Freund und Gönner, durch einen Mann, der mich ſeines Vertrauens, ſeiner Freundſchaft würdigt, und der mächtig und einflußreich iſt.

Das heißt durch einen Nebenbuhler, rief er düſter, durch einen Mann, mit dem ich Deine Liebe und Dein Herz theilen ſöll.

Ah, ich rathe Dir, auf ihn eiferſüchtig zu ſein, ſagte ſie lächelnd. Mein Freund iſt ein Greis von mehr als ſechszig Jahren, ein Greis, der mich liebt, wie ein Großvater ſein Enkelkind liebt, mit dem er ſchäkert und ſpielt, um ſich von den ernſten Geſchäften zu erholen. Ich glaube Dir, Friederike, ſagte er, ſeine Hand auf ihre Schulter