Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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Frankreich, und meine ſpecielle Aufgabe iſt es, die Kaiſerin und den König von Rom dem Kaiſer zuzubringen. Ich werde dieſe Aufgabe erfüllen, oder ich werde ſterben! Das habe ich mit einem heiligen Eid geſchworen, bevor ich Frankreich verließ, das habe ich auf das Cru⸗ cifir geſchworen in der Verſammlung meiner Freunde. Ich werde Wort halten, und ſelbſt die Liebe darf mich nicht davon zurückbringen! Jetzt, Friederike, weißt Du mein Geheimniß, und jetzt, da Du es weißt, entſcheide über unſere Zukunft. Reiche mir Deine Hand, laß uns ge⸗ meinſam wirken zu dem großen Ziel, und wenn wir es erreicht, wenn der Kaiſer wieder in die Tuilerien eingezogen iſt, wenn die Kaiſerin und der König von Rom wieder durch mich an ſeine Seite geſtellt worden, dann werde mein Weib, meine Gemahlin vor Gott und den Menſchen, dann laß uns heimkehren in die Stille und den Frieden unſeres Ahnenſchloſſes, und laß uns dort unſerer Liebe und unſerem Glücke leben! Oder, wenn Du dies nicht willſt, dann wende Dich von mir, gehe hin, verrathe mich Deinen mächtigen Freunden, ſie werden Dir den Verrath mit Schätzen und Ehren belohnen, und Dich braucht es alsdann nicht zu beunruhigen, daß meine ſterbenden Lippen Dir als meiner Mörderin fluchen. Du wirſt dafür die Segnungen der Bour⸗ bonen, die Lobſprüche von halb Europa haben, und vielleicht wird Dich dereinſt die Geſchichte die Retterin der Welt nennen. Entſcheide Dich alſo! Denn jetzt, da Du mein Geheimniß weißt, jetzt haſt Du auch unſere Liebe herausgehoben aus den Bahnen des ſtillen, ſorgloſen Glückes. Da Du mein Geheimniß weißt, mußt Du entweder meine Mitſchuldige ſein oder meine Verrätherin. Es giebt keinen Mittel⸗ weg mehr!

Und ich will auch keinen Mittelweg gehen, rief Friederike mit flanmenden Blicken, ich will Deine Mitſchuldige ſein. Ich lege meine Hand auf Dein Herz, und ſo ſchwöre ich Dir: ich will Theil haben an Deinem Werk! Ich will Deine Gefahren mit Dir theilen, Deine Zwecke verfolgen, für ſie thätig ſein, für ſie wirken, ſo viel in meinen Kräften ſteht. Ich will für Dich ſpioniren, und Alles, was ich erfahre, und erlauſche, das will ich Dir wiederſagen, und wo eine Gefahr droht, da will ich ſie hinwegräumen, und wo es einen Vortheil zu er⸗ 12