178
ſagſt mir nicht, weshalb Du hierher gekommen biſt? Du ſagſt mir nicht, was Du hier thuſt und treibſt? Du haſt ein Geheimniß vor mir, Eduard, und doch ſagſt Du, daß Du mich liebſt?
Der Marquis antwortete ihr nicht ſogleich; ſein ſchönes Antlitz hatte ſich beſchattet und mit düſtern Mienen, die Arme ineinander ge⸗ ſchlagen, ging er einige Male im Zimmer auf und ab.
Friederike folgte jeder ſeiner Bewegungen mit flammenden Blicken, mit athemloſer Aufmerkſamkeit.
Jetzt blieb der Marquis vor ihr ſtehen und ſchaute ſie lange und forſchend an. Friederike ſchlug das Auge nicht nieder, ſondern ſah ihn mit fragendem Lächeln an.
Du haſt die Wahrheit geſagt, Friederike, ſagte er düſter, ich habe ein Geheimniß vor Dir, ich habe Dir etwas verborgen gehalten. Aber jetzt ſollſt Du ſehen, wie ich Dich liebe, denn ich will Dir die Wahr⸗ heit ſagen, ich will Dir mein Geheimniß anvertrauen!
Komm hierher, ſagte ſie, ihn ſanft auf den Divan neben ſich niederziehend, ſetze Dich zu mir, mein Geliebter, laß uns Auge in Auge ſchauen, und nun ſage mir Dein Geheimniß.
Schwörſt Du mir, es treu zu bewahren, Friederike?
Ich ſchwöre es Dir bei unſerer Liebe! Sprich zu mir, mein Ge⸗ liebter, und möge ich verdammt ſein, und möge ich Dein Herz ver⸗ lieren, wenn ich auch nur ein Wort Deines Geheimniſſes verrathe!
Nun denn, ſo höre mich! Du haſt meine Liebe angeklagt, Du haſt mir gemißtraut, ich will Dir wenigſtens den Beweis geben, daß ich Dich grenzenlos liebe, daß ich Vertrauen zu Dir habe! Höre alſo mein Geheimniß: Ich bin hierher gekommen nach Wien, um den König von Rom, um die Kaiſerin Marie Louiſe nach Frankreich zu entführen. Frankreich ſehnt ſich nach ſeinem Kaiſer, nach ſeiner Kaiſerin, und bald wird es ſich erheben wie Ein Mann, und in heiligem Zorn wird es den Bourbonen, der es gewagt, ſich auf den lorbeerbekränzten Thron des Kaiſers niederzuſetzen, von dieſem Thron niederſchmettern und mit der Stimme des zürnenden Weltenſturmes wird es ſeinen Kaiſer von Elba herbeirufen. Ich und meine Freunde wir werden Sorge tragen, daß der Kaiſer ein Schiff bereit finde, um ihn hinüber zu führen nach
—


