Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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und ich ſteige empor aus dem Strudel, in dem ich meine Seele rein gebadet von allen Laſtern und von allen Sünden, ich ſteige empor, eine fleckenloſe, reine Jungfrau, welche ihre Hände emporhebt zum Himmel und ihn demüthig anfleht, ihr zu vergeben, daß ſie einſt ſo ſchlimme und unheilige Träume gehabt. Die Liebe entſündigt, und ſo bin ich denn entſündigt, denn ich liebe Dich, mein Eduard!

Sie neigte ſich zu ihm nieder und drückte einen Kuß auf ſein ſchwarzes, lockiges Haar. Du liebſt mich, ſagte er, mit einem zärt⸗ lichen Lächeln zu ihr aufſchauend. Aber wirſt Du auch treu ſein, Friederike? Wirſt Du nicht eines Tages mich verrathen und vergeſſen und mich in den Tod der Verzweiflung jagen?

Sie ſchüttelte lachend das Haupt. Ich bin getreu, ſagte ſie ernſt, getreu im Lieben, wie im Haſſen, Eduard. Nie werde ich aufhören, Dich zu lieben, es müßte denn ſein

Ach, unterbrach er ſie traurig, es giebt alſo doch eine Möglich⸗ keit, daß Du aufhören könnteſt mich zu lieben?

Ja, ſagte ſie, wenn Du mich verrathen und vergeſſen könnteſt, dann würde ich aufhören Dich zu lieben, dann würde ſich meine Liebe in Haß verwandeln, und dann, ach, ich fürchte, dann würde der böſe Dämon wieder in mir erwachen, und dann würde ich mich rächen! Aber nein, nein, ſchwöre mir, Eduard, daß Du mich nie verrathen willſt, ſchwöre mir, daß Du kein Weib liebſt außer mir, daß Du mich liebſt, und mich allein! Schwöre mir das, damit ich ruhig ſein kann! Denn, ſiehſt Du, es martert und quält mich zuweilen ein Zweifel. In der Stille der Nacht kriecht er wie eine giftige Schlange in mein Herz und beängſtigt, plagt mich, daß ich laut aufſchreie vor Qual, daß Ströme von Thränen meinen Augen entſtürzen. Dann frage ich mich zitternd vor Angſt und Weh: wie kommt es, daß er, der ſchöne, der vornehme Marquis von Barbaſſon mich lieben kann, mich, das häßliche, reizloſe Geſchöpf, das ihm nichts zu bieten hat, nicht einmal einen Namen, nur ein glühend Herz, eine begeiſterungsvolle Liebe.

Aber indem Du ſo fragſt, Friederike, rief der junge Mann haſtig aufſpringend, indem Du ſo fragſt, läſterſt Du Dich ſelber, läſterſt Du unſere Liebe! Das Schickſal ſelber iſt es geweſen, das uns zuſammen⸗