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l. Der Marquis von Barbaſſon.
Und ſo iſt es denn wahr, ſo liebſt Du mich wirklich? fragte Friede⸗ rike Hähnel, ſich mit einem ſeligen Lächeln hernieder neigend zu dem jungen Mann, der vor ihr auf den Knieen lag und mit ſtrahlenden Augen zu ihr empor ſchaute.
Jo, ich liebe Dich, ſagte er, ſein Haupt auf ihr Knie lehnend und mit einer anmuthigen Bewegung ihre beiden Arme um ſeinen Nacken ſchlingend. Lege die funkelnden Marmorketten um meinen Hals, Du meine Gebieterin, laß Deinen Sclaven einhergehen unter dem Joch der Liebe.
Es iſt wahr, ſagte Friederike ſinnend, die Liebe iſt eine Sclaven⸗ kette, welche unſer ganzes Weſen und Sein umſchlingt, die Liebe iſt eine Tyrannin, welche uns mit unſern Gedanken, unſerm Wollen und Fühlen gefangen nimmt. Seit ich Dich kenne, ſehe, denke und fühle ich nur Dich; weit ab hinter mir liegt meine Vergangenheit, wie ein wüſter, ſchlimmer Traum, aus dem ich zum ſchönſten Erwachen mich aufgeſchwungen habe. Ich will Dir etwas geſtehen, mein Eduard, Du haſt mich nicht blos glücklich gemacht, ſondern Du haſt auch meine Seele errettet. Ohne Dich war ich ein armes, unglückliches Weſen, hin⸗ gegeben und verloren an die Eitelkeit der Welt, meine Seele verkau⸗ fend für Gold und Brillanten, meine Ehre hingebend für den flüch⸗ tigen Ruhm: eine einflußreiche, mächtige, politiſche Intriguantin zu ſein. Ohne Dich, mein Eduard, war ich verdammt, unterzugehen in dieſem wüſten Strudel des Lebens; Du aber, Du haſt mich errettet,


