166
Ach, in der That, es ſteht Ihnen wohl an, den Erſtaunten, den Unwiſſenden zu ſpielen, rief Marie Louiſe. Nicht wahr, Sie wiſſen es nicht, daß heute in Wien der Pöbel ſich um meinen Wagen zuſammen⸗ gerottet hat? Sie ſo wenig, wie die Polizei, wiſſen es, daß dieſer Pöbel mit Fingern nach mir gezeigt, mit Fäuſten mir gedroht hat? Sie haben nichts davon gehört, daß man mit unverſchämten Drohungen von mir verlangt hat, ich ſolle das Kaiſerliche Wappen von meinen Equipagen nehmen, meinen Lakaien die Kaiſerliche Livrée ausziehen laſſen und ihnen andere Livrée und andere Knöpfe geben? So ſagen Sie doch, daß dies Alles nicht von Ihnen veranſtaltet iſt? Schwören Sie doch, daß Sie gar nichts davon gewußt haben und ganz unſchuldig ſind an dem Inſult, den man mir angethan.
Ja, ich bin unſchuldig daran, ich ſchwöre es, ſagte der Graf ernſt und würdevoll. Es ſteht Ew. Majeſtät frei, mich zu haſſen, aber Sie dürfen mich nicht verachten, Sie dürfen mich nicht einer ſchmachvollen und erbärmlichen Hinterliſt fähig halten. Ich habe Ew. Majeſtät de⸗ müthigſt gebeten, lieber jetzt aus Klugheit, wenigſtens für einige Zeit, die Kaiſerliche Livrée aufzugeben, nur ſo lange, bis der Congreß über Ihre Zukunft entſchieden, bis man Ihnen geſtattet hätte, nach Parma zu gehen, und dort als Souverainin Sich Selber zu leben. Ich wollte, indem ich an Ew. Majeſtät dieſe Bitte wagte, Sie bewahren vor dem Uebelwollen und der Mißſtimmung der öffentlichen Meinung. Aber als Ew. Majeſtät mir meine Bitte abſchlugen, habe ich mich demüthig gefügt, und niemals würde ich mich ſo weit vergangen haben, dem Willen Ew. Majeſtät auf ſo unwürdige Weiſe Trotz bieten zu wollen.
Ach, das ſind Worte, leere Worte, rief Marie Louiſe, die Thaten ſprechen gegen Sie.
Wie? rief der Graf, Ew. Majeſtät wagen es, zu bezweifeln und mich zu beſchuldigen?
Ja, ich wage es, ſagte Marie Louiſe, ihre herausfordernden Blicke auf das bleiche, wehmüthige Antlitz des Grafen heftend. Ich wage es, Sie zu beſchuldigen!
e


