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Jetzt haben aber Ew. Majeſtät glücklicherweiſe ein anderes Mittel erſonnen, um ſich zu befreien von meinem Spionirſyſtem, wie Sie meine gehorſame Aufmerkſamkeit auf alle Ihre Wünſche zu nennen belieben.
Und welch' ein Mittel, wenn ich fragen darf?
Ew. Majeſtät werden mich in das Grab ſchicken, ſagte Graf Neipperg leiſe und traurig. Ew. Majeſtät wollten die Wahrheit wiſſen, weshalb ich geſtern nicht hierher gekommen? Nun, ich geſtehe, daß ich Ew. Majeſtät noch nicht ganz die Wahrheit geſagt habe, jetzt aber will ich ſie ſagen: ich war geſtern feig und ſchwach. Ich fühlte, daß ich nicht die Kraft hatte, wieder den Zorn und Spott Ew. Majeſtät zu ertragen. Mein Herz ſchmerzte von tauſend Wunden, die ich auf dieſer Reiſe empfangen⸗ Ich wollte ſie wenigſtens einen Tag ausbluten laſſen, ehe ich neue Wunden empfing. Deshalb, Majeſtät, kam ich geſtern nicht nach Schönbrunn!
Das iſt nicht wahr, rief Marie Louiſe, zum zweiten Mal haben Sie mir die Wahrheit verhehlt. Ich aber will ſie Ihnen ſagen: Sie kamen nicht nach Schönbrunn, weil Sie in Wien beſchäftigt waren. Weil Sie die Leute anzuwerben hatten, welche ich heute auf den Straßen Wiens finden ſollte, weil Sie die Rede aufzuſchreiben hatten, welche der Anführer der Straßen⸗Emeute heute an meinem Wagen halten ſollte. Sie kamen nicht nach Schönbrunn, weil Sie mit der Polizei Ihre Verabredungen zu treffen hatten, damit ſie Ihnen kein Hinderniß in den Weg legte, und weil Sie Alles vorbereiten mußten zu der ekelhaften und verächtlichen Scene, mit welcher der Pöbel Wiens ſich heute auf meine Koſten beluſtigen ſollte. Ach, mein Herr Graf, ich mache Ihnen mein Compliment, Sie ſind in der That ein ſehr ge⸗ ſchickter Theater⸗Regiſſeur, und Sie haben Ihr Volksdrama mit be⸗ wunderungswürdiger Geſchicklichkeit in Scene geſetzt.
Mein Gott, mein Gott, wovon reden Ew. Majeſtät? fragte Graf Neipperg verwirrt und erſtaunt. Was iſt geſchehen? Wer hat es ge⸗
wagt, Ew. Majeſtät zu beleidigen? Oh, ich beſchwöre Ew. Majeſtät, ſagen Sie mir, worüber Sie ſich zu beklagen haben? Sie ſprachen vom Pöbel, von einer Emeute? Was iſt denn geſchehen?


