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Ich bin davon überzeugt, ſagte die Gräfin raſch. Es iſt ein An⸗ griff der Polizei—
Nein, rief Marie Louiſe heftig, nein, es iſt eine neue Bosheit des Grafen Neipperg! Oh, jetzt verſtehe ich Alles, jetzt weiß ich Alles! Meine Livréen, meine Wappen waren ihm lange ein Gegenſtand des Aergerniſſes, und er hat mich ſchon oft gebeten, dieſelben aufzugeben. Da ich es ihm abgeſchlagen, will er mich mit Gewalt dazu zwingen. Ja, ſo iſt es, Er iſt der Anſtifter dieſes Straßentumults! Deshalb auch iſt er ſeit geſtern nicht hier geweſen, deshalb hat er es nicht ge⸗ wagt, vor mir zu erſcheinen. Oh, von dieſem Manne kommt mir alles Unglück und alles Wehe! Er ſchwebt über mir, wie der böſe Dämon, und ſo oft ich ihn ſehe, fühle ich es daher wie einen Dolchſtich in meinem Herzen, habe ich ein Gefühl, als ob ich fliehen müßte, um mich vor dem aufgehobenen Arm des Unheils zu erretten. Oh, ich haſſe, ich verabſcheue dieſen Mann, den mein Vater mir als Spion, als Aufſeher an meine Seite geſtellt; ich will ihn nicht da dulden, und müßte ich mich dem Zorn meines Vaters deshalb ausſetzen! Beſſer ſelbſt zu Grunde gehen, als ſolche Schmach und Demüthigung länger ertragen. Gleich, jetzt in dieſer Stunde ſoll es zur Entſchei⸗ dung kommen!
Sie ſprang zu dem Tiſch hin, und die Klingel ergreifend, ſchellte ſie heftig. Iſt der Graf Neipperg hier? fragte ſie den eintretenden Lakaien.
Zu Befehl, Majeſtät, der Graf iſt ſo eben angelangt.
Sagen Sie dem Grafen Neipperg, er ſolle ſich ſogleich hier in mein Cabinet begeben, ich wolle ihn ſprechen!
Was wollen Ew. Majeſtät thun? fragte die Gräfin Brignole, als der Lakai hinaus gegangen war.
Ich will den Verräther zur Verantwortung ziehen, rief Marie Louiſe, indem ſie mit haſtigen Schritten, die Arme über der Bruſt ge⸗ faltet, auf und nieder ging. Ich will ihm ſeine Hinterliſt und Bosheit in's Antlitz werfen, ich will ihm ſagen, daß Er es iſt, der mir dieſe empörende Scene in Wien bereitet hat, daß Er es iſt—
Die Thür des Vorſaals ward geöffnet, und der Lakai erſchien
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