Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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wieder in derſelben. Se. Excellenz der General Graf Neipperg, meldete er.

Gut, er ſoll eintreten, rief Marie Louiſe, und ſich an die Gräfin wendend, ſagte ſie: gehen Sie, Brignole, laſſen Sie mich allein mit ihm! Wenn er mich beim Kaiſer verklagen will, ſoll er wenigſtens keine Zeugen wider mich anrufen können!

Die Gräfin verneigte ſich, und verließ durch eine Seitenthür das Cabinet. In demſelben Augenblick erſchien in der Thür des Vorſaals die ſchlanke und edle Geſtalt des Grafen Neipperg.

M. Das Entlaſſungsgeſuch.

Marie Louiſe ging noch immer mit raſchen Schritten auf und ab, den Grafen gar nicht beachtend, der in demüthiger Haltung neben der Thür ſtand und von der Kaiſerin erſt die Erlaubniß zu erwarten ſchien, um ſich ihr nähern zu dürfen.

Auf einmal blieb Marie Louiſe vor ihm ſtehen und ſah ihn mit flammenden Zornesblicken an. Weshalb waren Sie geſtern nicht hier, Herr Graf? fragte ſie ſtrenge.

Ich glaubte, Ew. Majeſtät bedürften meiner nicht, ſagte der Graf demüthig.

Marie Louiſe lachte höhniſch. Wirklich, Sie glaubten das, rief ſie. Nun, wenn Sie aber erſt kommen wollen, wenn ich Ihrer bedarf, Herr Graf, ſo hätten Sie niemals nöthig gehabt, mich mit Ihrer Nähe zu beläſtigen, denn in der That, ich habe Ihrer noch nie⸗ mals bedurft!

Ich weiß das wohl, und Ew. Majeſtät haben ſchon oft die Gnade gehabt, es mir zu wiederholen, ſagte Graf Neipperg traurig. Aber Se. Majeſtät, mein Herr und Kaiſer, hatte mich zu der hohen Stelle