Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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ſie ſich noch einmal hier auf den Straßen zeigten, ſo würde das Volk ſie zerſtören. Sagen Sie das der Erzherzogin Marie Louiſe, ſagen Sie ihr, ſie ſoll uns in Wien, als die Tochter unſers Kaiſers, immer willkommen ſein, aber das abgedankte kaiſerliche Wappen und das gott⸗ verdammte N mit der Kaiſerkrone wollen wir nicht mehr ſehen! Nein, das wollen wir nicht mehr ſehen, rief und heulte der Pöbel ihm nach, fort mit dem Wappen, fort mit der Livrée! Dem Kutſcher war es endlich gelungen, vorwärts zu fahren, aber das Volk lief ſchreiend und brüllend zu beiden Seiten meines Wagens her, es pfiff und heulte und tobte und drohte mir mit den Fäuſten, und zeigte mit Fingern nach mir hin. Ich ließ die Vorhänge nieder, um wenigſtens unbemerkt weinen zu können, und Gott mein Elend zu klagen, da doch auf Erden Niemand ſich meines Jammers erbarmen wollte.*)

Entſetzlich, rief die Gräfin, ja, Ew. Majeſtät haben Recht, man hat es gewagt Sie zu beſchimpfen, und die Polizei, welche ſonſt in Wien ihre Argusaugen überall offen hat, und Jedermann bewacht, die Polizei hat nicht für gut befunden, dieſen Scandal zu verhüten, ja, ſie hat ihn vielleicht ſogar hervorgerufen, um Ew. Majeſtät zu zwingen, die verhaßten Farben und Wappen des Kaiſers abzulegen. Ew. Ma⸗ jeſtät haben Recht, Sie dürfen nicht länger hier in Oeſterreich bleiben, denn Ew. Majeſtät ſind hier nicht ſicher vor Schmach und Beleidi⸗ gung. Sie müſſen nach Elba zu Ihrem Gemahl, er wird Sie ſchützen, an ſeiner Seite allein werden Sie ſicher ſein. Bereiten wir alſo heim⸗ lich und in aller Stille Alles zur Flucht vor, ſuchen wir uns Ver⸗ traute, auf deren Verſchwiegenheit wir rechnen können, und die uns bei der Ausführung Ihrer Flucht hülfreiche Hand leiſten können.

Ja, thun wir das, ſagte Marie Louiſe zerſtreut, ich überlaſſe Ihnen das ganze Arrangement, ſorgen Sie für Alles. Aber iſt es Ihr Ernſt, Gräfin, meinen Sie wirklich, daß dieſer Scandal, den man mir da bereitet hat, nicht von dem Volk ausgegangen, ſondern von Anderen veranlaßt worden iſt?

*) Méneval: Mémoires. Vol. III. p. 85.

Mühlbach, Napoleon. 1V. Bd.