Das Wappen und die Livrte Uapoleons.
In Thränen aufgelöſt, an allen Gliedern bebend, verließ Marie Louiſe ihre Equipage, und kehrte ſchwankenden Ganges, leiſe Klagen und Seufzer ausſtoßend, in ihre Gemächer zurück.
Die Gräfin von Brignole ſoll ſogleich zu mir kommen, befahl ſie dem ihr die Thüren öffnenden Kammerdiener. Dann trat ſie in ihr Cabinet ein, und den Hut, den Mantel abreißend und ihn weit von ſich in das Gemach hinein ſchleudernd, ſank ſie auf einen Lehnſtuhl nieder, bedeckte ſich das Antlitz mit beiden Händen und weinte laut und bitterlich.
Gräfin Brignole hatte ſchon lange das Cabinet betreten, ohne daß Marie Louiſe ſie beachtet hatte. Sie ſtand unfern der Thür, und ſchaute mit aufmerkſamen und theilnahmsvollen Blicken zu der Kaiſerin hin, welche noch immer mit verhülltem Antlitz daſaß, und deren Seufzen und Schluchzen allein die Stille unterbrach. Endlich, als ſie ſah, daß Marie Louiſe immer noch nicht ihr Haupt emporrichtete, und gar nicht zu wiſſen ſchien, daß ſie gegenwärtig ſei, näherte ſich die Gräfin leiſe der Kaiſerin.
Ew. Majeſtät haben mich rufen laſſen, ſagte ſie mit ſanftem Ton.
Marie Louiſe zuckte zuſammen, ließ ihre Hände von ihrem Antlitz gleiten, und ſich von ihrem Fauteuil erhebend, ſchlang ſie mit leiden⸗ ſchaftlicher Gewalt ihre Arme um den Hals der Oberhofmeiſterin.
Gräfin, rief ſie ſchluchzend, Gräfin, retten Sie mich! Laſſen Sie uns fliehen! Laſſen Sie uns in irgend einer Verkleidung dieſes Schloß verlaſſen, und zu meinem Gemahl flüchten! Oh, bei Napoleon allein iſt mein Platz, bei ihm allein iſt für mich Ehre, Ruhe und Glück!
Gelobt ſei Gott, daß Ew. Majeſtät das endlich anerkennen, ſagte die Gräfin freudig, gelobt ſei Gott, daß Sie dahin gehen wollen, wo⸗ hin die Pflicht und die Ehre Eure Majeſtät allein rufen! Ja, es iſt wahr, Sie müſſen nach Elba, Sie müſſen zu Ihrem Gemahl hineilen.


