Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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Iſt das wahr, mein Herr? fragte der kleine Napoleon, mit ſtrah⸗ lenden Augen den Engländer anſchauend.

Es iſt wahr, ſagte Sir Campbell langſam und feierlich. Ich habe gerufen: vire l'Empereur! und wenn ich jene erhabene Scene noch einmal erlebte, würde ich noch einmal rufen: vive IEmpereur!

Der Knabe trat raſch auf ihn zu, und reichte ihm beide Hände dar. Ich danke Ihnen, mein Herr, ſagte er, und ich heiße Sie will⸗ kommen!

Nicht wahr, fragte Frau von Montesquion lächelnd, jetzt freuen Sie ſich, Sire, dieſen Herrn zu ſehen, der Ihren Herrn Vater nach Elba begleitet hat, und der ihn erſt vor kurzer Zeit verlaſſen?

Ja, ich freue mich, ſagte das Kind leiſe, aber wir dürfen das hier Niemand ſagen, hört Ihr, Niemand!

Ich habe Ihren Vater nicht blos erſt kürzlich geſehen, ſagte der Commodore, ſondern ich werde ihn auch bald wieder ſehen, denn ich reiſe noch heute wieder ab, und werde mit meinem Schiff ganz nahe bei Elba ſein.

Oh, wenn Sie meinen Papa Kaiſer ſehen, rief der Prinz mit zitternder Stimme, wenn Sie ihn ſehen, ſo grüßen Sie ihn, und ſagen Sie ihm, daß ſein armer kleiner König von Rom ſo gern bei ihm ſein möchte, wenn man es ihm nur erlauben wollte.

Sire, ſagte Sir Campbell ernſt, Ihr Herr Vater hat mir einen Auftrag an Sie gegeben. Wollen Sie mir erlauben, daß ich ihn ausführe?

Thun Sie es, mein Herr, thun Sie es!

Ihr Herr Vater hat mir aufgetragen, Sie zu umarmen und Ihnen in ſeinem Namen einen Kuß zu geben!

Der Prinz ſchrie laut auf; zu Sir Campbell hinſtürzend, ſprang er in ſeine Arme und drückte einen langen glühenden Kuß auf ſeine Lippen.

Dann auf einmal in lautes Weinen ausbrechend, und ſeine kleinen Arme und das von Thränen überfluthete Antlitz zum Himmel erhebend, rief er mit herzzerreißendem Wehelaut: Oh, mein Vater, warum bin ich nicht bei Dir! Warum biſt Du nicht bei mir! Mein Vater, mein lieber, lieber Papa Kaiſer!