Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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Enkel des Kaiſers ſich nicht der Kirche weihen können, da es doch der Bruder des Kaiſers thut? Iſt nicht der Erzherzog Rudolf dem geiſt⸗ lichen Stande beſtimmt, und wird vielleicht bald ein geiſtliches Amt

antreten?

Der Erzherzog Rudolf indeſſen, mein theurer, geliebter Oheim, leidet an der ſchlimmen und gefährlichen Krankheit, welche die Spanier und Italiener in unſer Haus gebracht haben, rief Marie Louiſe er⸗ bittert. Der Erzherzog leidet gleich Ihren ſpaniſchen und italieniſchen Verwandten, Madame, an der Epilepſie.

Und wer ſagt Dir, daß Dein Sohn nicht auch daran leiden wird? fragte die Kaiſerin. Ich habe ihn ſchon mehrmals gar ſeltſam zucken und Geſichter ſchneiden ſehen, aber freilich, das kann auch ein Erbtheil ſein von ſeinem Vater, der das Zucken und Geſichterſchneiden als ein Andenken an die ſchmutzige und ekelhafte Krankheit behalten hatte, die er als Artillerie⸗Officier ſich in den Kaſernen geholt.*) Wahrlich, meine arme Marie Louiſe, ich bewundere, daß Du die Annäherung eines Mannes ertragen konnteſt, deſſen bloße Berührung Dich der Ge⸗

fahr der Anſteckung ausſetzte. *) Napoleon litt viele Jahre an einem ſchlimmen und widrigen Hautaus⸗ ſchlag, der ihm indeſſen nicht zur Schande, ſondern zur Ehre gereichte. Als General bei der Belagerung von Toulon war er ſelber bei den Belagerungs⸗ geſchützen thätig, und gab den Kanonieren die Richtung an, in welcher ſie feuern ſollten. Eben hatte er einem Kanonier einen ſehr wichtigen Punkt be⸗ zeichnet, auf welchen er ſein Geſchütz abbrennen ſollte, als eine feindliche Kugel heranſauſte und den Kanonier todt zu Boden warf. Napoleon nahm mit Ge⸗ laſſenheit aus den Händen des Sterbenden die noch von ſeinem langen Halten warme Lunte, feuerte ſelbſt das Geſchütz ab, und behielt die Lunte in der Hand, um noch mehrere Schüſſe zu thun. Der Kanonier aber hatte die Krätze gehabt. Napoleon ward durch das lange Halten und Anfaſſen der Lunte ge⸗ rade an den für dieſe Hautkrankheit empfänglichſten Theilen angeſteckt, und da er ſich niemals Zeit und Muße gönnte, ſich einer gründlichen Kur zu unter⸗ werfen, ſo litt er Jahre lang an dieſem Uebel. Erſt als er ſchon Kaiſer war, ge⸗ lang es Corviſart, ihn zu überreden, daß er ſich einer ſtrengen Kur unterzog, die ihn dann auch heilte. Aber von dem peinlichen Jucken ſeines ganzen Kör⸗ pers hatte er für immer die Gewohnheit beibehalten, zu zucken und mit den

Schultern zu ziehen. Constant. M. 9*