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Oh, wie danke ich Gott, daß ich keine Kinder habe, da ich ſehe, wel⸗ chen Kummer und welche Schmerzen man für ſeine Kinder erleiden muß! Aber, mein Gemahl, Sie dürfen die arme Marie Louiſe nicht ſo in Trauer und Schmerzen über den kleinen Knaben laſſen, Sie müſſen in Ihrer Güte und Liebe auch ſeine Zukunft ſichern und ihm eine Exiſtenz begründen. Mag ſein Vater ſein, wer er will, ſo iſt doch ſeine Mutter jedenfalls Ihre Tochter und eine Erzherzogin von Oeſterreich, es iſt alſo eine heilige Pflicht, die Exiſtenz des Knaben zu ſichern.
Ich werd' ihm eine ausreichende Appanage geben, ihm aus eini⸗ gen Gütern ein kleines Fürſtenthum zuſammenſtellen, ſagte Kaiſer Franz gelaſſen, und er kann ſich dann halt nach dem Fürſtenthum nennen, ſo lange er lebt; nach ſeinem Tode fällt es aber an mein Haus zurück.
Aber wenn er ſich vermählt? fragte Marie Louiſe ſchüchtern. Wenn er Erben hat?
Ja, das iſt freilich ein ſchlimmer Punkt, ſagte der Kaiſer ge⸗ dankenvoll. Hab' halt nit dran gedacht, daß der kleine Teufelsbraten ſich am Ende auch vermählen und eine neue Dynaſtie gründen könnt', — als ob wir noch nicht genug hätten an den Königen, Herzögen und Fürſten, die der Bonaparte, ſein Vater, hat vom Mond herunterfallen laſſen, und die jetzt alle Welt erfüllen mit ihrem Geſchrei, weil ſie halt nit runter wollen vom Thron, und weil man ſie doch halt runter ſchmeißen muß von den Thronen, die ihnen nit zukommen.
Man müßte ein ſolches Embarras zu vermeiden ſuchen, mein theurer Gemahl, ſagte Ludovica mit einem ſanften Lächeln. Man müßte den unglücklichen Knaben von ſeiner Jugend an ſchon mit dem Gedanken vertraut machen, daß er ſich niemals vermählen darf. Man müßte ihn alſo für die Kirche beſtimmen, vielleicht einen Biſchof aus ihm machen.*)
Einen Biſchof? rief Marie Louiſe empört. Mein Sohn, der Enkel des Kaiſers Franz, ſollte zu einem Biſchof gemacht werden?
Und warum nicht? fragte Ludovica gelaſſen. Warum ſollte der
3 Mémoires. III. p. 58.


