Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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Der Kaiſer achtete nicht darauf und ſagte freundlich und gelaſſen: Wir ſind Beide hierher gekommen, liebes Kind, um Dich zu begrüßen und Dir zu ſagen, daß Deine Angelegenheit ſich hoffentlich günſtig ge⸗ ſtalten, und daß man Dich hoffentlich bald zur ſouverainen Herzogin von Parma und Piacenza ernennen wird. Freilich mußt Du auch Deinerſeits noch einige Schritte thun, um dies Ziel zu erreichen, aber meine Tochter wird klug und geſcheidt genug ſein, um vor dieſer Noth⸗ wendigkeit nicht zurückzuſchrecken. Der Metternich wird kommen, das Nöthige mit Dir darüber zu beſprechen, und Dir meinen Willen kund zu thun.

Ich werde ihn mit Gehorſam empfangen, ſagte Marie Louiſe traurig, ich werde gewiß Alles, was man verlangt, thun, um mir das Herzogthum Parma, meinem Sohn einen Namen und ein Erbe zu ſichern.

Der Kaiſer bekam wieder ſeinen Huſten.

Das würd' halt doch nimmer angehen, ſagte er zögernd, ich kann halt nit in Italien eine neue Dynaſtie gründen, das Parma und Pia⸗ cenza gehört mir nicht, und es haben ſich ſchon die eigentlichen Eigen⸗ thümer gemeldet. Die vormalige Königin von Hetrurien verlangt als Vormünderin ihres Sohnes, des Prinzen von Toscana, die Herzog⸗ thümer Parma und Piacenza, und die ſpaniſchen Geſandten haben ſchon auf dem Congreß Klage geführt, daß wir die Herzogthümer eigen⸗ mächtig verſchenken wollen. Wenn wir's alſo zuletzt doch dahin bringen, daß wir Dich zur Herzogin von Parma machen, ſo wird's doch nur unter der Bedingung geſchehen, daß die Beſitznahme nur für die Zeit Deines Lebens gemeint iſt, und keine Nachfolge beanſprucht wird.

Das heißt alſo, man will meinen Sohn enterben, ſagte Marie Louiſe, und die Thränen, die ſie nicht mehr zurück zu halten vermochte, floſſen in hellen Perlen über ihre Wangen nieder.

Armes, unglückliches Kind, ſagte Ludovica mitleidsvoll, auch er hat keinen Namen und keinen Titel, und wenn man ihn jetzt nennen wollte mit dem Titel, den der Uebermuth ſeines Vaters ihm gegeben, ſo würde man nur verlacht und verhöhnt werden. Denn es giebt ſo wenig einen König von Rom, wie es einen Kaiſer von Frankreich giebt. Mühlbach, Napoleon. 1V. Bd. 9

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